Zwergstern oder Riesenplanet?

Astronomen entdecken rätselhaftes Objekt - es ist zu schwer für einen Planeten, aber zu leicht für einen Stern

Planet vor Stern
Planet vor Stern

Marseille (Frankreich) - Das französische Satelliten-Observatorium Corot hat einen Himmelskörper entdeckt, der so groß wie Jupiter ist, aber mehr als die zwanzigfache Masse dieses Planeten enthält. Das Objekt umkreist auf einer sehr engen Umlaufbahn alle 4 Tage und 6 Stunden einen Stern, der ein wenig größer ist als unsere Sonne. Die Entdeckung wirft die Frage auf, wo die Grenze zwischen großen Planeten und kleinen Sternen verläuft, so das Entdeckerteam in einem demnächst im Fachblatt "Astronomy and Astrophysics" erscheinenden Bericht.

"Es war für uns eine Überraschung, ein so massereiches Objekt auf einer so engen Umlaufbahn zu finden", erklärt Magali Deleuil vom Laboratoire d'Astrophysique de Marseille, die das Entdeckerteam leitet. "Das Objekt ist wirklich einzigartig und wir diskutieren immer noch darüber, was seine wahre Natur sein mag." Das Satelliten-Observatorium Corot dient speziell der Suche nach Planeten bei anderen Sternen. Dazu überwacht der Satellit die Helligkeit einer großen Zahl von Sternen. Zieht ein Planet auf seiner Bahn von der Erde aus gesehen vor einem Stern vorüber, so verringert sich dabei die Helligkeit des Sterns geringfügig - und diese Abschwächung kann Corot nachweisen.

Riesenplaneten auf engen Umlaufbahnen sind zwar nichts Ungewöhnliches unter den über 300 bekannten Planeten bei anderen Sternen. Doch bislang lag die maximale Masse derartiger Begleiter bei dem 12-fachen der Jupitermasse. Auf der anderen Seite liegt die Masse der kleinsten bekannten Zwergsterne - von den Astronomen Braune Zwerge genannt - beim 70-fachen der Jupitermasse. Mit Corot-exo-3b, so die Katalogbezeichnung des neuen Objekts, haben die Forscher nun erstmals einen Himmelskörper in der Massenlücke zwischen Riesenplaneten und Zwergsternen aufgespürt.

Bleibt abzuwarten, ob Corot weitere Objekte in dieser Lücke findet. "Vielleicht haben wir einfach Glück gehabt und Himmelskörper wie Corot-exo-3b sind extrem selten", meint Team-Mitglied Francois Bouchy. Andererseits könnte es auch sein, dass es für massereichere Sterne normal ist, auch massereichere Planeten zu besitzen. Nur weitere Beobachtungen können also zeigen, wo genau die Massegrenze zwischen Sternen und Planeten verläuft - und ob es überhaupt eine scharfe Grenze zwischen diesen astronomischen Objektklassen gibt.