Neues Gamma-Observatorium vor dem Start

Mit GLAST wollen die Astronomen hochenergetische Vorgänge im Weltall beobachten.

GLAST
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Greenbelt (USA)/Garching - Explodierende Sterne, gefräßige Schwarze Löcher, rasend schnell rotierende Neutronensterne, Materiestrahlen, die mit fast Lichtgeschwindigkeit aus Galaxien schießen: Die kosmischen Phänomene mit den höchsten Energien leuchten am hellsten im Bereich der Röntgen- und Gammastrahlung. Doch für diese Strahlung ist die Erdatmosphäre undurchsichtig. Um einen Blick auf die hochenergetischen Vorgänge zu werfen, müssen die Astronomen deshalb ins Weltall ausweichen. Voraussichtlich am Samstag (7. Juni 2008) schießt die amerikanische Weltraumbehörde Nasa das bislang modernste Gamma-Teleskop ins All: GLAST, das Gamma-ray Large Area Space Telescope.

Ein neues Fenster ins Universum öffnet der 690 Millionen Dollar teure Satellit den Astronomen, erklärt Giselher Lichti vom Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik in Garching bei München: "Die bisherigen Gammateleskope haben dieses Fenster nur einen Spalt breit geöffnet - erst GLAST stößt es nun vollends auf!" So ist das neue Observatorium 30-mal empfindlicher als sein Vorgänger Compton, der von 1991 bis 2000 Daten zur Erde funkte.

Gammastrahlung besitzt eine milliardenfach größere Energie als gewöhnliches sichtbares Licht. Teleskope für Gammastrahlung müssen deshalb völlig anders gebaut sein, als optische Fernrohre. Die hochenergetischen Gamma-Photonen würden Linsen und Spiegel aus Glas nämlich völlig unbeeindruckt durchlaufen. Stattdessen müssen die Astronomen komplizierte Detektoren verwenden, wie sie in der Elementarteilchenphysik üblich sind.

An Entwicklung und Bau dieser Detektoren waren nicht nur amerikanische Wissenschaftler, sondern auch Forscher aus Frankreich, Italien, Japan, Schweden und Deutschland beteiligt. So waren Lichti und seine Kollegen für den Bau eines der beiden Hauptinstrumente von GLAST, den so genannten Burst Monitor, verantwortlich. Damit wollen die Forscher den extrem kurzzeitigen Gammastrahlungsschauern ("bursts") nachspüren, die fast täglich aus den Tiefen des Alls zur Erde gelangen. Diese Strahlungsausbrüche gehören seit 40 Jahren zu den großen Rätseln der modernen Astronomie.

Neben der Untersuchung all dieser bekannten Strahlungsquellen wird GLAST sicher auch auf bislang unbekannte Phänomene stoßen. So konnten die Astronomen insgesamt 172 der von Compton entdeckten Gammaquellen bisher nicht identifizieren - noch weiß also niemand, welche neuen Geheimnisse sich hinter diesen Objekten verbergen. "Da draußen warten noch Überraschungen auf uns", sagt Nasa-Forscher David Thompson vom GLAST-Team, "und ehrlich gesagt hoffen wir auch darauf, überrascht zu werden!"