Landung am Nordpol des roten Planeten geplant

Marssonde Phoenix wird am 26. Mai sein Ziel erreichen

Phoenix-Lander auf dem Mars (Simulation)
Phoenix-Lander auf dem Mars (Simulation)

Pasadena (USA) - 26. Mai 2008, Vastitas Borealis, Mars. In der großen Ebene in der Nähe des Nordpols des roten Planeten bricht gerade der Frühling herein. Langsam zieht sich die weiße Polkappe, ein Gemisch aus Eis und gefrorenem Kohlendioxid, zurück. Plötzlich taucht ein seltsames Gebilde am Marshimmel auf: Eine Metallkapsel schwebt an Fallschirmen herab. Bremsraketen brüllen auf - "Phoenix", ein Besucher von der fernen Erde, hat sein Ziel erreicht.

Phoenix ist die erste Sonde, die in der Polarregion des roten Planeten niedergeht. Die Ankunftszeit des amerikanischen Raumfahrzeugs ist mit Bedacht gewählt, wollen die Forscher doch die Klimaänderungen, die mit dem Auftauen der polaren Eiskappe einhergehen, vor Ort beobachten. Noch aufregender ist die zweite Zielsetzung der Phoenix-Mission: Erstmalig soll auf unserem Nachbarplaneten nach Wasser gegraben werden. Mit einem über zwei Meter langen Robotarm soll Phoenix die dünne Schicht aus Staub und Geröll durchbrechen, unter der sich, so die Hoffnung, das ewige Eis des Mars verbirgt. Eine am Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Katlenburg-Lindau entwickelte Kamera soll dabei die Grabung und auch die entnommenen Bodenproben begutachten. Chemische Experimente sollen zudem zeigen, ob sich unter der Oberfläche des Mars primitive Lebensformen erhalten haben könnten.

Zwar präsentiert sich der Mars heute als lebensfeindlicher, staubtrockener Wüstenplanet. Doch zahlreiche Anzeichen deuten darauf hin, dass der Mars nicht immer so trocken war, dass es dort einst Flussläufe und vielleicht sogar einen großen Ozean auf der Nordhalbkugel gab. Möglicherweise besaß der Mars in seiner Frühzeit vor vier Milliarden Jahren eine dichtere Atmosphäre, ein wärmeres Klima und damit auch offenes Wasser auf seiner Oberfläche. Aber auch in der jüngeren Vergangenheit scheint zumindest vereinzelnd noch Wasser über die Oberfläche des Planeten geflossen zu sein. So durchschneiden die flussähnlichen Täler des Marte Vallis erstarrte Lavaströme, die nicht älter als 20 Millionen Jahre sind. Forscher der Nasa haben abgeschätzt, dass durch das Marte Vallis zeitweilig hundertmal mehr Wasser geflossen sein muss, als durch den Mississippi.

Wo aber kam das Wasser her - und wo ist es geblieben? Als der Mars in seiner Frühzeit abkühlte und seine Atmosphäre zum größten Teil verlor, ist wohl auch ein Teil des Wassers ins Weltall entwichen. Aber vermutlich nicht alles - unter der Oberfläche des Planeten könnten sich große Wassermengen als ewiges Eis erhalten haben. Phoenix landet in einer Region, wo Messungen der Sonde Odyssey gezeigt haben, dass bereits in flachen Bodenschichten ein sehr hoher Wassereis-Anteil vorliegt.

Wenn es aber auf dem jungen Mars einst flüssiges Wasser gab, dann könnte dort - genau wie auf der Erde - auch primitives, einzelliges Leben entstanden sein. Ob es solche Bakterien tatsächlich im Marsboden gibt, wird wohl auch Phoenix nicht beantworten können. "Es ist nicht ganz auszuschließen, dass unsere Kamera fossile Überreste von Lebensformen finden könnte - aber das wäre ein unerwarteter Zufallstreffer", so Ulrich Christensen vom MPI für Sonnensystemforschung. Allerdings hoffen die Forscher auf neue Erkenntnisse darüber, ob der rote Planet überhaupt Leben beherbergen könnte. "Die chemische Untersuchung des Bodens soll uns zeigen, wie lebensfreundlich oder lebensfeindlich es dort ist."