Kleiner Stern, kleiner Planet

Astronomen entdecken bislang kleinsten Exoplaneten bei einem normalen Stern.

MOA-2007-BLG-192L
MOA-2007-BLG-192L

St. Louis (USA) - Er besitzt nur die dreifache Masse der Erde und umkreist einen Stern, dessen Masse vielleicht nicht einmal ausreicht, dauerhaft das Feuer der Kernfusion in seinem Inneren zu entzünden: MOA-2007-BLG-192L ist der kleinste bislang entdeckte Planet bei einem anderen Stern. Ein internationales Forscherteam präsentierte die Entdeckung des rund 3000 Lichtjahre entfernten Himmelskörpers jetzt auf der Jahrestagung der American Astronomical Society in St. Louis.

"Unsere Entdeckung deutet darauf hin, dass selbst die Sterne mit den niedrigsten Massen eigene Planeten besitzen können", hebt der Leiter des Teams, David Bennett von der University of Notre Dame im US-Bundesstaat Indiana, hervor: "Bislang wurden keine Planeten bei Sternen mit Massen von weniger als 20 Prozent der Sonnenmasse aufgespürt. MOA-2007-BLG-192L zeigt jetzt, dass wir bei vielen Sternen niedriger Masse in der Nachbarschaft unseres Sonnensystems Planeten erwarten können". Das sei deshalb von besonderem Interesse, weil solche relativ nahen Planeten sich mit dem geplanten Nachfolgeinstrument des Weltraumteleskops Hubble, dem James Webb Space Telescope beobachten ließen.

Denn bislang haben Bennett und seine Kollegen den Planeten MOA-2007-BLG-192L nicht wirklich gesehen. Vielmehr hat der Himmelskörper sich indirekt durch den so genannten Mikro-Gravitationslinseneffekt verraten. Bei diesem Phänomen zieht ein Stern von der Erde aus gesehen vor einem zweiten, weiter entfernten Stern vorüber. Dabei lenkt der Vordergrundstern als "Gravitationslinse" mit seiner Schwerkraft das Licht des ferneren Sterns ab und verursacht so eine scheinbare Helligkeitssteigerung bei diesem Stern. Dieser Helligkeitsänderung überlagert sind kurzfristige Schwankungen durch die Schwerkraft des Planeten, der um den Vordergrundstern kreist. Durch eine sorgfältige Analyse der Helligkeitsschwankungen gelang es den Forschern, die Masse des Sterns und des Planeten zu bestimmen.

Mit einer Masse von sechs bis acht Prozent der Sonnenmasse liegt der Stern gerade im Grenzbereich zwischen normalen Sternen, in denen dauerhaft Wasserstoff durch Kernfusion zu Helium verbrennt, und so genannten Braunen Zwergen. Bei diesen reicht die Masse nicht aus, um dauerhaft durch Kernfusion Energie zu erzeugen. Mit zunehmendem Alter schrumpfen Braune Zwerge und geben dabei Wärme ab. MOA-2007-BLG-192L umkreist seinen Stern in einem ähnlichen Abstand wie die Venus die Sonne. Da der Stern jedoch erheblich schwächer leuchtet als unsere Sonne, sei es auf dem Planeten vermutlich kälter als auf Pluto, so Bennett.