Enceladus spuckt organische Moleküle

Die Raumsonde Cassini ist durch die riesige Fontäne über dem Südpol des Saturnmondes geflogen - und hat überraschende Daten zur Erde gefunkt.

Enceladus im Gegenlicht
Enceladus im Gegenlicht

Pasadena (USA) - Am 12. März hat die amerikanische Sonde Cassini den Saturnmond Enceladus in einer Höhe von nur 48 Kilometern passiert - und ist dabei auch durch die gigantische Gasfontäne hindurch geflogen, die vom Südpol des Himmelskörpers aus ins All schießt. Zur Überraschung der Forscher enthält diese Fontäne nicht nur Wasser, sondern auch ein reichhaltiges Gemisch aus organischen Stoffen. Zudem zeigen die Messungen der Sonde, dass die Ursprungsregion der Fontäne wärmer ist als bislang vermutet.

"Die Chemie von Enceladus ähnelt jener eines Kometen - und das ist eine völlig unerwartete Überraschung", sagt Hunter Waite vom Southwest Research Institute in San Antonio, einer der Cassini-Wissenschaftler. "Dass es im Inneren von Enceladus ursprüngliches Material aus der Frühzeit des Sonnensystems gibt, wirft viele neue Fragen über die Entstehung des Saturn-Systems auf."

Am Südpol von Enceladus erstrecken sich vier parallel verlaufende, über einhundert Kilometer lange dunkle Furchen. Bei diesen "Tigerstreifen" handelt es sich offenbar um tiefe Schluchten, in denen sich neben Wassereis auch Kohlendioxid und eine Mixtur leichterer organischer Substanzen befinden. Von dort aus schießt eine gewaltige Fontäne mehrere tausend Kilometer weit ins All. "Bei dieser Fontäne handelt es sich um ein Gebräu aus Wasser, Kohlensäure und einer Spur Erdgas", so Waite.

Die Cassini-Messungen zeigen außerdem, dass die "Tigerstreifen" mit einer Temperatur von minus 90 Grad Celsius etwa 35 Grad wärmer sind als bislang vermutet. Die normale Oberflächentemperatur auf Enceladus beträgt rund minus 200 Grad Celsius. "Enceladus besitzt Wärme, Wasser und organische Chemikalien", sagt Dennis Watson vom Jet Propulsion Laboratory der Nasa in Pasadena. "Damit gibt es dort alle wesentlichen Voraussetzungen für die Entstehung von Leben." Es sei sehr wahrscheinlich, dass es nicht weit unter der Oberfläche des Saturnmondes ein Reservoir von flüssigem Wasser gäbe.