Die Wiederentdeckung eines jungen Supernova-Überrests

Vor etwa 900 Jahren explodierte am Ort der heutigen Wolke ein Stern

Radiowellenaufnahme der jungen Supernova
Radiowellenaufnahme der jungen Supernova

Sydney (Australien) - G350.1-0.3 ist die Katalognummer einer unscheinbaren Gaswolke in der inneren Milchstraße, die im Radiobereich hell strahlt. Vor 35 Jahren von den Astronomen zunächst als Überrest einer Sternexplosion eingestuft, raubten spätere Beobachtungen dem Objekt diesen Status. Hochaufgelöste Radiobeobachtungen zeigten 1986, dass G350.1-0.3 eine unregelmäßige Struktur besitzt - völlig untypisch für einen Supernova-Überrest. Möglicherweise handele es sich um eine weit entfernte Galaxie, spekulierten die Himmelsforscher - und "vergaßen" das Objekt für zwei Jahrzehnte. Jetzt hat ein internationales Forscherteam die Gaswolke wieder entdeckt und gezeigt, dass es sich doch um den Überrest einer Supernova-Explosion handelt. Erst vor etwa 900 Jahren ist am Ort der Wolke ein Stern explodiert, berichten die Astronomen im Fachblatt "Astrophysical Journal Letters". Damit zählt G350.1-0.3 zu den jüngsten Supernova-Überresten in der Milchstraße.

"Hier können wir schwere Elemente unmittelbar nach ihrer Erzeugung beobachten", erklärt Bryan Gaensler von der University of Sydney, einer der beteiligten Wissenschaftler. Bei der Explosion eines sterbenden Sterns entstehen viele schwere Elemente, aus denen sich bei einer späteren Sterngeneration Planeten bilden können. Junge Supernova-Überreste liefern den Astronomen noch Spuren der physikalischen Prozesse bei der Explosion, die sich später verwischen. "Nach 20.000 Jahren sehen alle Explosionsüberreste ähnlich aus", so Gaensler.

Zumeist sehen die Überreste von Sternexplosionen ring- oder blasenförmig aus. Nicht so G350.1-03: Die Wolke besitzt eine unregelmäßige Form. Gaensler und seine Kollegen konnten nun zeigen, dass der Stern unmittelbar neben einer dichten Gaswolke explodiert ist. Deshalb konnte sich der Überrest der Supernova nicht gleichmäßig in alle Richtungen ausbreiten. Die Forscher vermuten, dass viele junge Supernova-Überreste eine unregelmäßige Form zeigen könnten und wollen sich jetzt gezielt auf die Suche nach derartigen Objekten machen.