Die übersehene Nova

Es war die hellste Sternenexplosion seit nahezu einem Jahrzehnt - doch niemand hat sie gesehen

Übersehene Nova im Achterschiff
Übersehene Nova im Achterschiff

Villanueva (Spanien) - Bei der Entdeckung von Kometen und Sternexplosionen - Novae und Supernovae - haben Hobby-Astronomen oft die Nase vorn. Denn im Gegensatz zu den Profis können sie Nacht für Nacht einen Großteil des Himmels nach solchen spektakulären Ereignissen absuchen. Doch am 5. Juni 2007 explodierte im Sternbild Puppis (Achterschiff) am Südhimmel ein Stern - und niemand hat es gesehen, obwohl die Nova selbst mit bloßen Augen ein auffälliges Objekt gewesen sein muss.

"Jeder, der in dieser Nacht draußen war und in Richtung des Sternbilds Achterschiff geblickt hat, müsste die Nova gesehen haben", meint Richard Saxton vom European Space Astronomy Center ESAC in Spanien. Für den Forscher ist es ein Rätsel, warum den Hobby-Sternguckern das Ereignis entgangen ist.

Stattdessen stieß der europäische Röntgensatellit XMM-Newton am 9. Oktober 2007 ganz zufällig auf das Nachleuchten der Explosion. Saxton informierte damals sofort seine Kollegen in aller Welt über das ungewöhnliche Objekt. Beobachtungen im optischen Bereich zeigten schließlich, dass sich am Ort der Röntgenquelle früher ein unscheinbarer Stern befunden hatte, der nun plötzlich 600-mal heller strahlte.

Ganz offensichtlich handelte es sich um eine Nova - einen Weißen Zwergstern, der einem zweiten, größeren Stern so lange Materie entreißt, bis es auf seiner Oberfläche zu einer thermonuklearen Explosion kommt. Doch Röntgenstrahlung ist bei einer Nova erst viele Tage nach dieser Explosion zu erkennen, der Nova-Ausbruch musste also bereits vor längerer Zeit stattgefunden haben. Anhand von Archiv-Daten eines Roboter-Teleskops konnten die Astronomen die Nova-Explosion schließlich auf den 5. Juni 2007 datieren.