Mars-Dynamo könnte wieder in Schwung kommen

Einem Team schweizer Forscher ist es gelungen, die im Kern des Planeten Mars herrschenden Bedingungen im Labor nachzustellen. Die Experimente zeigen, dass das Gemisch aus Eisen, Nickel und Schwefel bei den dort herrschenden Temperaturen vollständig flüssig bleibt.

Zürich (Schweiz) - Im Gegensatz zur Erde besitzt der Mars also vermutlich keinen festen Kern, was dann auch die Abwesenheit eines "Dynamo-Effekts" erklärt, der ein starkes Magnetfeld wie bei der Erde erzeugen könnte. Wie die Wissenschaftler im Fachblatt "Science" schreiben, könnte der Mars-Dynamo jedoch wieder in Schwung kommen: dann nämlich, wenn das Eisen bei sinkenden Temperaturen ausflockt.

"Wenn im Kern des Planeten eine großräumige Kristallisation einsetzt, wird latente Energie freigesetzt", schreiben Max Schmidt und seine Kollegen von der ETH Zürich, "und diese Energie könnte ausreichen, um im flüssigen Teil des Kerns Konvektionsströmungen anzutreiben. Es ist denkbar, dass diese Konvektion nach einiger Zeit einen Dynamo-Effekt erzeugt, der wiederum zur Entstehung eines starken Magnetfelds für den Mars führt."

Schmidt und sein Team haben in einer aus Diamant bestehenden Kammer verschiedene Gemische aus Eisen, Nickel und Schwefel einem Druck von bis zu 40 Gigapascal ausgesetzt -- das entspricht dem 400.000-fachen irdischen Luftdruck auf Meereshöhe. Bei Temperaturen oberhalb von 1200 Grad Celsius, wie sie für das Innere des roten Planeten von den Forschern erwartet werden, blieb diese Mixtur flüssig. "Unsere Beobachtungen deuten darauf hin, dass es im heutigen Kern des Mars keinerlei Kristallisation gibt", so die Forscher.

Dies würde erklären, warum das globale Magnetfeld des roten Planeten bereits vor vier Milliarden Jahren verschwunden ist, während die Erde immer noch ein starkes Magnetfeld besitzt. In der Erde ist der feste Kern von innen nach außen auskristallisiert und hat dabei die latente Energie freigesetzt, die die Strömungen im geschmolzenen äußeren Kern und damit den Dynamo-Effekt antreiben. Zwar hatte der Mars unmittelbar nach seiner Entstehung auch ein starkes Magnetfeld, doch ohne eine Energiequelle im Inneren des Planeten ist das Feld schnell verloschen.