Der Urknall -- kühler als gedacht

Nach dem Urknall ist das Universum wesentlich schneller abgekühlt als bislang vermutet.

Oxford (Großbritannien)/Waterloo (Kanada) - Zu diesem Schluss kommen jetzt zwei Forscher aus England und Kanada. Nach ihren Berechnungen betrug die Temperatur im Kosmos bereits 10 hoch minus 32 Sekunden nach seiner Entstehung nur noch 11.000 Grad Celsius. Die Wissenschaftler präsentieren ihre Überlegungen in einer Vorabveröffentlichung im Internet.

"Das ist extrem kühl -- nicht die Zillionen von Grad, die man normalerweise erwartet", kommentiert Joao Magueijo vom Perimeter Institute im kanadischen Waterloo gegenüber dem Magazin "New Scientist" den Befund. Gemeinsam mit seinem Kollegen Pedro Ferreira von der University of Oxford hat Magueijo berechnet, wie sich die Temperatur auf die so genannte Inflation auswirkt, eine kurzzeitige Phase nach dem Urknall, in der sich das Universum gemäß dem heutigen Standardmodell mit immenser Geschwindigkeit gewaltig aufgebläht hat.

Die Berechnungen der beiden Physiker zeigen, dass die thermischen Fluktuationen durch die Inflation ebenfalls aufgebläht werden. Sind diese Fluktuationen zu groß, so könnten nach der Inflation keine Galaxien und Galaxienhaufen entstehen. Aus der Tatsache, dass es im heutigen Universum jedoch Galaxien und Galaxienhaufen gibt, lassen sich deshalb Rückschlüsse auf die Größe der thermischen Fluktuationen -- und damit auch auf die Temperatur -- vor der Inflationsphase des Kosmos ziehen.

Ferreira und Magueijo schränken allerdings ein, dass diese Überlegungen nur korrekt sind, wenn das Universum in einem Zustand des thermischen Gleichgewichts begann. Es gäbe für die Entstehung des Kosmos jedoch auch alternative Szenarien, für die sich keine Aussage über die Temperatur vor der Inflationsphase machen lasse.