Bigelow: Erste kommerzielle Raumstation 2012 im Orbit

Geht es nach Robert Bigelow, dann umkreisen in zehn Jahren zahlreiche kommerzielle Raumstationen die Erde.

Colorado Springs (USA) - Auf einer Fachtagung in Colorado Springs präsentierte der amerikanische Unternehmer am Mittwoch den Geschäftsplan von "Bigelow Aerospace". Danach soll bereits 2012 eine Raumstation für sechs Personen im Orbit sein, die durch weitere Module auf eine Kapazität von bis zu 15 Personen ausgebaut werden kann.

"Unser Ziel ist es, die Produktionskapazität unseres Werks in Las Vegas auf zwei voll ausgebaute Stationen im Jahr zu erweitern", so Bigelow. "Es wird eine Zeit kommen, in der Orbitalkomplexe nicht länger eine Novität sind, sondern eine Notwendigkeit. Es ist wie bei den Satelliten: Auch sie waren zunächst eine Novität, doch heute sind sie ein großes Geschäftsfeld von enormer kommerzieller Bedeutung."

Kernelement der Raumstationen von Bigelow Aerospace sind aufblasbare Habitate, die sich erst im Weltall entfalten und die sich daher vergleichsweise billig in die Umlaufbahn transportieren lassen. Im Juli 2006 hat das Unternehmen mit "Genesis 1" bereits erfolgreich einen kleineren Prototyp in der Erdumlaufbahn stationiert, der bis heute voll funktionsfähig ist. Noch in diesem Monat soll ein zweiter, größerer Prototyp folgen. Für Anfang 2010 ist dann der Start von "Sundancer" geplant, einem 180 Kubikmeter großem Habitat mit allen nötigen Lebenserhaltungssystemen, das prinzipiell drei Personen beherbergen kann.

Im Jahr 2012 folgt dann das erste "Standard-Modul" für sechs Personen. Durch Zusatzmodule und die Kopplung mehrerer Standard-Module lassen sich dann auch größere Orbitalkomplexe aufbauen. Bigelow ist überzeugt davon, dass 50 bis 60 Nationen interessiert sind, eigene Astronauten zu Forschungszwecken ins All zu fliegen. Als weitere Kunden sieht er Unternehmen, die einen ganzen Komplex für längere Zeit pachten können. Ein vierwöchiger Aufenthalt in einer Bigelow-Station soll pro Person knapp 15 Millionen US-Dollar kosten, eine Verlängerung des Aufenthalts um einen weiteren Monat schlägt dann lediglich mit drei Millionen Dollar zu Buche. Für 88 Millionen Dollar kann ein komplettes, 300 Kubikmeter großes Modul für ein ganzes Jahr gepachtet werden.

In den Preisen ist zwar der Transport zu den Stationen inbegriffen -- doch die Frage, wie die Kunden tatsächlich zu ihrem Ziel im Erdorbit kommen, ist noch nicht endgültig geklärt. Bigelow Aerospace kooperiert unter anderem mit dem Luft- und Raumfahrtunternehmen Lockheed Martin, um die Trägerrakete Atlas-5 für bemannte Flüge umzubauen. Auch die Nasa hatte kurze Zeit damit geliebäugelt, eine Variante der Atlas 5 als Nachfolger der alternden Shuttle-Flotte zu nutzen. Doch das geplante Crew Exploration Vehicle "Orion" für bemannte Mondflüge ist selbst für die größte Atlas-5-Version zu schwer. Bigelow plant eine erheblich leichtere Kapsel, die von der kleineren Atlas-5-401 ins All befördert werden kann. Diese Atlas-Version bietet nach Expertenmeinung auch bessere Möglichkeiten, um Astronauten und Passagiere im Falle technischer Fehler zu retten. Bigelow hofft, dass bis 2010 eine Rakete für bemannte Testflüge zum "Sundancer" bereit steht.