Weltcup-Finale und Besuch des Khmer-Tempels

Am vierten Wettkampftag hoffte das deutsche Team noch, sich von Platz 10 in die vorderen Medaillenränge zu schieben. Nach den Vorrunden in den Finalkampf um den ersten Platz und die Goldmedaille zu gelangen, war vor allem wegen der Stärke des Teams aus Singapur kein realistisches Ziel mehr. Mit Iran und Macao traf das deutsche Team auf Gegner, die nach den bisherigen Vorkämpfen auf eher hinteren Plätzen rangierten. Doch war das kein Grund, an Elan nachzulassen. Denn es geht beim Physik-Weltcup um die absolute Punktzahl und nicht nur um einen Sieg in der jeweiligen Dreier-Wettkampfrunde. Dementsprechend absolvierten Jonas, Carina, Sina, Ann-Kathrin und Dominika alle drei Runden des Fights erfolgreich. So ging das Team aus den Wettkämpfen als Sieger hervor. Doch ob die gewonnenen Punkte reichen würden, um eine Medaille zu gewinnen, konnten die Fünf nicht absehen.

Vier Schülerinnen und ein Schüler vor einem großen, hügelförmigen Tempel.
Deutsches Team vor Tempel

Allein für Ungeduld und zitterndes Abwarten blieb nicht allzu viel Zeit. Denn die thailändischen Gastgeber, die den Physik-Weltcup bis ins Detail perfekt organisiert hatten, boten willkommene Abwechslung. Mit Polizeieskorte fuhr die Kolonne der mehr als 30 Minibusse an allen Staus vorbei zum Geschichtspark Phimai. „Nun können wir endlich mal normal leben und die Freizeit genießen“, sagte Dominika. Und endlich konnten die Schülerinnen und Schüler nach den Anstrengungen der vergangenen Tage etwas Luft schnappen und sich besser kennenlernen. „Und die Jungs aus Nigeria sind schon richtig lustig“, sagte Carina.

Der Tempelbezirk von Phimai ist ein Höhepunkt jeder Thailandreise. Im gleichen Stil des Weltkulturerbes Angkor Wat im benachbarten Kambodscha ragen die grandiosen Tempelbauten in die Höhe. Der wesentliche Unterschied: Die Weltcup-Teilnehmer können die sehr gut erhaltenen steinernen Ruinen exklusiv ohne weitere Touristenscharen genießen. „Ich hätte nicht erwartet, dass die Gastgeber so einen riesigen Aufwand für uns betreiben“, sagte Ann-Kathrin.

Ohne hindernde Absperrungen kraxelten die Teams aus aller Welt durch die historische Anlage aus dem 13. Jahrhundert. „Das Klettern über die Ruinen hat richtig Spaß gemacht“, sagte Jonas. Direkt anschließend luden die Gastgeber bei hellem Vollmondlicht im Schatten des Tempels zum feierlichen Bankett, wieder mit teilweise scharfem thailändischen Essen. Knapp 100 Künstler boten eine Tanzshow. „Zur Begrüßung verbeugten sie sich, als wären wir Könige“, sagte Dominika, „da fühlt man sich gleich schon besser.“ Langsam sickerte die Information durch, dass eine solche Show nur ein einziges Mal pro Jahr stattfinden dürfe. Mit einer Ausnahme: Für die weit gereisten Gäste des IYPT-Physik-Weltcup. So wird dieses einzigartige Erlebnis wohl niemand aus den 27 teilnehmenden Staaten so schnell vergessen.

Am nächsten Tag ging es früh am Morgen gewappnet mit Sonnenmilch und Insektenspray weiter, und zwar in den Dschungel von Khao Yai. In den Hügeln des berühmten Nationalparks leben Elefanten, Büffel, Affen und seltene Vögel. Es ging auf einer mehrstündigen Dschungelwanderung durch Regenwald, über Lichtungen mit mannshohem Gras und entlang kleiner Seen. „Endlich haben wir mal etwas von der tollen Landschaft gesehen“, sagte Jonas. Die Tiere konnten die Jungphysiker nur hören, blicken ließen sie sich mit Ausnahme einiger Affen nicht. Dass sich Elefanten und Büffel versteckten, war eigentlich kein Wunder. Besonders wenn 500 junge Menschen im Gänsemarsch drei Stunden durch die tropische Landschaft laufen.

Während der Ausflüge hatten die Weltcup-Organisatoren das abschließende Ergebnis nach den fünf Vorrunden errechnet. „Ich freue mich, dass wir bei so vielen starken Teams eine Medaille gewonnen haben“, sagte Ann-Kathrin. Es war knapp, aber zu Bronze hat es zum Abschluss noch gereicht. Wegen des insgesamt sehr hohen Niveaus des Wettkampfs waren alle aus dem deutschen Team erst erleichtert und dann auch zufrieden. „Doch weniger wäre schon peinlich gewesen“, gab Jonas zu. Im Finale sind Singapur, Polen und China gegeneinander angetreten, um um den Sieg des IYPT-Physik-Weltcups 2015 zu ringen. Singapur ist schließlich als Sieger hervorgegangen, gefolgt von Polen auf dem zweiten Platz und China auf dem dritten. Das deutsche Team belegte den 13. Platz. Jonas will vielleicht auch im nächsten Jahr wieder antreten. Sein Interesse machte er mit seiner Frage an den Team-Betreuer Rainer Reichle deutlich: „Wann kommen denn die neuen Themen für das nächste Jahr.“