Ausflug ins Land nach drittem Wettkampf

Optimistisch ging das deutsche Team um Kapitänin Sina Hartung aus der zweiten Runde im Physik-Weltcup heraus. Das Ziel für den dritten Tag war klar: Den Trend fortsetzen. Jonas stellte sich dieser Herausforderung beim Thema „Künstlicher Muskel“, bei der die physikalischen Geheimnisse hinter einer verzwirbelten Angelschnur gelüftet werden sollten. Als Begutachter des tschechischen Vortrags und der australischen Kritik ging er taktisch vor. „Ich konnte die beiden Gegner bei meinem Review schön gegeneinander ausspielen“, sagt Jonas.

Carina und Dominika mussten heute nicht direkt in die Wettkampfarena einziehen, nahmen dafür aber im Hintergrund Schlüsselrollen ein. „Ich war für die Fragen an den Gegner zuständig, um seine Lücken zu finden und hervorheben zu können“, sagt die siebzehnjährige Carina. Und Dominika erklärt: „Heute habe ich das Protokoll geführt. Das mag simpel klingen. Doch es ist sehr wichtig, um den Überblick über alle Vorträge und Diskussionen zu behalten.“

Menschen stehen um Brunnen und erfrischen sich an dem Wasser.
Erfrischung nach Wettkampf

Ann-Kathrin opponierte den Vortrag von Tschechien zu überschwappenden Kaffeetassen. „Das hat schon Spaß gemacht, denn unsere Gegner waren schon nicht schlecht“, sagt die Siebzehnjährige. Denn besonders gegen starke Herausforderer fühlt sich Ann-Kathrin in ihrem Element.

Kapitänin Sina musste als Reporterin die verschlungene Flugbahn rotierender Plastikbecher möglichst eindrucksvoll erklären. Genau das gelang ihr, da sie dieses Experiment mit ihrer Teamkollegin Carina Kanitz live vor Ort durchführte. Auch wenn der Versuch nicht ganz gelang, überzeugte Sina im Vortrag umso mehr. Lediglich in den anschließenden Diskussionsrunden mit den Gegnern aus Tschechien und Australien und einem Jury-Mitglied aus Russland wurde sie unsicher. „Ich bin nicht so sehr zufrieden mit mir selbst, zumal wir den Vortrag etwas abgespeckt haben“, sagt Sina. Sie ist überzeugt, dass es genau an der nicht gezeigten Formeln gelegen hat. Aus den insgesamt drei Kämpfen um die Physik künstlicher Muskeln, fliegender Plastikbecher und überschwappender Kaffeetassen ging das deutsche Team mit 6,8; 5,6 und 5,7 Punkten heraus.

Tempel in Form eines Elefanten, reich verziert, auf einem Podest im See, über den eine Brücke zum Tempeleingang verläuft.
Elefantentempel Wat Ban Rai

So konnte sich das Fünfer-Team gut behaupten und behielt seine Position im Gesamtklassement. Platz 10 bietet weiterhin Aufstiegschancen, da der Punktunterschied zum Umfeld gering ausfällt. Bevor es wieder zur Vorbereitung für den nächsten Wettkampftag an den Schreibtisch ging, stand aber ein Ausflug an. Die Schar der Jungphysiker war froh, nach drei Tagen endlich die Kette aus Hotel, Minibus, Universität durchbrechen zu können. „Nun haben wir endlich auch mal etwas vom Land gesehen“, sagt Carina.

Ziel der Kolonnenfahrt mit über 30 Minibussen war die Tempelanlage Wat Ban Rai. Historische Bauten oder zumindest ein traditionelles Monument mit Pagodendächern hatten die Weltcup-Teilnehmer erwartet. Denn in dieser Region Thailands finden sich noch heute zahlreiche Zeugnisse des Khmer-Reiches von vor 800 Jahren, vergleichbar mit dem Weltkulturerbe Angkor Wat im benachbarten Kambodscha. So war die Überraschung groß, schon aus der Ferne einen überdimensionalen Elefanten ausmachen zu können. Tatsächlich überragte ein steinerner Elefant, verziert mit bunten Mosaiken, einen kleinen See. „Mit hat der Tempel gut gefallen. Ich habe so etwas noch nie zuvor gesehen“, sagt Dominika. Hoch wie ein Mietshaus finden in dem Tempel hunderte Gläubige und neugierige Touristen Platz. Gebaut wurde er erst vor wenigen Jahren.

Landschaft mit einem See, der von Bäumen umrahmt ist. Darüber ein blauer Himmel mit Wolken.
Ausflug ins Land

Bei Temperaturen von fast 40 Grad freuten sie alle Weltcup-Teilnehmer über die Seelage. Für die hiesige Religion hat die Kombination aus Tempel und Wasser eine mythische Bedeutung. Die Jungphysiker waren eher für den kühlen Luftzug dankbar, der von der Wasserseite die flirrende Luft durchwirbelte.

Auf den ersten realen Eindruck des Gastgeberlandes folgte am Abend direkt der nächste. Die Minibus-Kolonne steuerte ein typisch thailändisches Buffet-Restaurant an. Krabben, Huhn, Schwein und Fisch konnte jeder im eigenen Topf auf dem Tisch garen. Schmackhaft wurde es mit den zahlreichen Saucen. Bei nicht wenigen überwog die Skepsis, einige probierten sich tapfer durch. „Einige waren scharf, sehr scharf“, sagt Ann-Kathrin Raab. „Aber es war auch wieder schön, mal ganz schlicht Pommes Frites zu bekommen“, findet Teamkollege Jonas Landgraf.

Nach gut fünf Stunden ganz ohne Physik ging der Ausflug zu Ende. So blieb noch Zeit genug, um am Abend an den Vorträgen für den kommenden Tag zu feilen.