Kernkraftwerk

Die vier Atomprogramme von 1957 bis 1976

Baustelle eines Kernkraftwerks aus Vogelperspektive. Ein zylindrischer, oben kuppelförmig abgeschlossener Betonbau, dahinter quaderförmige Hallen.
Das Kernkraftwerk Gundremmingen bei Fertigstellung

Der Bund begründete den frühen Beginn der Forschung wie folgt:

„Der ständig steigende Energiebedarf in der Welt zwingt dazu, die Grundlage der Energieversorgung, die bislang von den klassischen Primärenergieträgern gebildet wird, zu erweitern und die technische Nutzung der Atomenergie in diese Erweiterung einzubeziehen. Über die Energiegewinnung hinaus wird die Atomtechnik neuartige technische Möglichkeiten eröffnen und damit eine sehr allgemeine Bedeutung gewinnen.

Ein hoch industrialisiertes Land wie die Bundesrepublik muß deshalb an der Entwicklung von Anlagen zur Gewinnung von Atomenergie teilnehmen. Eine solche Entwicklung berührt weite Zweige der Technik.“

Obwohl inzwischen 60 Jahre vergangen sind, hört sich der Inhalt vertraut an.

Dieses 1. Atomprogramm, das es unter diesem Namen nie gab, wurde von Wissenschaftlern der Deutschen Atomkommission unter der politischen Verantwortung des Bundesministers Franz-Josef Strauß erarbeitet. Es hatte zwei Grundmotive: Sicherstellung der Energieversorgung und High-Tech-Entwicklung, damals gerne „Aufholjagd“ genannt. Beide Motive tauchen in unterschiedlicher Form immer wieder auf, bishin zum 5. Energieforschungsprogramm von 2006.

Dominant ragen die zylindrischen Kühltürme über ein Rapsfeld auf. Aus ihnen steigt Wasserdampf. Kleiner sind im Vordergrund die ebenfalls zylindrischen Betonbauten der Sicherheitsbehälter zu sehen.
Das Kernkraftwerk Gundremmingen heute

Auch ein 2. Atomprogramm gab es unter dieser Bezeichnung nicht, sondern nur ein Programm mit dem Titel „Atomprogramm der Bundesrepublik Deutschland 1963-1967“. Hiermit entstand erstmals eine Art Vier-Jahres-Rhythmus. Die Motivation kam vorwiegend aus der Technologieentwicklung, die an der kernphysikalischen Grundlagenforschung beteiligt war. Als verantwortlicher Politiker zeichnete der Bundesminister für wissenschaftliche Forschung, Hans Lenz.

Weiteren Fortsetzungen bildeten das „3. Atomprogramm der Bundesrepublik Deutschland, 1968-1972“, unterschrieben von Bundesminister Gerhard Stoltenberg, und das „Vierte Atomprogramm der Bundesrepublik Deutschland für die Jahre 1973 bis 1976“ von Horst Ehmke.

Insgesamt wurden für diese vier Forschungsprogramme in 19 Jahren 4423,7 Millionen Euro aufgewendet.

 

Ausgaben des Bundesforschungsministeriums im Rahmen der vier Atomprogramme (Angaben in Mio. €)

 Vorlauf und 1. Programm 

 2. Programm 

 3. Programm 

 4. Programm 

Leichtwasserreaktoren einschl. Vorläufer Forschungsreaktoren, nuklearer Schiffsantrieb

27,3

140,1

51,8

12,6

Brennstoffkreislauf (inkl. IAEO)

27,9

76,4

532,3

277,1

Schnellbrutreaktoren

2,3

53,5

152,4

383,8

Hochtemperaturreaktoren

14,4

46,5

153,5

165,1

Nukleare Sicherheit

5,1

15,3

23,9

104,7

Summe Projekte

77,0

265,3

616,1

760,06

Kernfusion

8,1

42,7

109,1

144,0

Risikobeteiligung

-

5,5

10,5

2,6

andere Bundesressorts

0,5

10,2

23,0

33,0

Großforschung

126,5

265,3

616,1

760,6

Summe

212,1

655,5

1672,6

1883,5