Unterstützung für europäische Neutronenforschung

BMBF und deutsche Forschungszentren beteiligen sich an Europäischer Spallationsquelle ESS

Lund (Schweden) - In das Innerste von magnetischen Datenspeichern blicken, den molekularen Aufbau neuartiger Kunststoffe analysieren oder die Bewegung von Proteinen darstellen und damit Abläufe in Zellen besser verstehen - mit Neutronen ist das möglich. Indem Wissenschaftler Materialien mit diesen winzigen, ungeladenen Bestandteilen der Atomkerne beschießen, bekommen sie zerstörungsfrei wie mit einem Supermikroskop Einblicke in die innere Struktur der Stoffe und können auch die Bewegung von Teilchen in den Materialien untersuchen.

Im schwedischen Lund wollen 16 europäische Partnerländer die weltweit leistungsstärkste Neutronenquelle errichten. In der Europäische Spallationsquelle ESS werden die Neutronen nicht durch Kernspaltungerzeugt, sondern durch sogenannte Spallation: Mittels Teilchenbeschleuniger werden Salven von Protonen - die positiv geladenen Bestandteile des Atomkerns - fast bis auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigt. Mit sehr hoher Energie prallen diese Protonenpakete dann auf die Atomkerne eines schweren Metalls, wo sie Neutronen "abdampfen", die dann als Sonde für Material- und Lebenswissenschaften verwendet werden.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt das Großprojekt in der laufenden Design-Update-Phase mit 15 Millionen Euro. Bis zum Baubeginn 2013 werden die bereits existierenden Planungen für die Anlage und ihre Komponenten auf den neuesten wissenschaftlich-technischen Stand gebracht. Unter Koordination des Forschungszentrums Jülich beteiligen sich auf deutscher Seite weitere Helmholtz-Zentren mit ihrem Know-how in Neutronenforschung und Entwicklung von Großgeräten: Deutsches Elektronen-Synchrotron DESY, Forschungszentrum Dresden-Rossendorf, Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie, Helmholtz-Zentrum Geesthacht, Karlsruher Institut für Technologie. Weitere Partnerin ist die Technische Universität München als Betreiberin der Forschungsneutronenquelle Heinz Maier-Leibniz. Diese Institutionen tragen gemeinsam weitere sechs Millionen Euro zu dieser Projektphase bei.

Die Gesamtkosten für die Partnerländer liegen bei voraussichtlich 1,4 Milliarden Euro. Der Bau soll 2018 beendet sein. Mit dem Fluss der ersten Neutronen werden dann bis 2025 die Messinstrumente installiert und getestet.