Forscher erkunden das arktische Meereis.

Eisschmelze in der Arktis abgeschätzt

Für jede Tonne Kohlendioxid, die ein Mensch irgendwo auf der Erde freisetzt, schwindet das sommerliche Meereis in der Arktis um drei Quadratmeter. Dies ist das Ergebnis einer neuen Studie, die Dirk Notz vom Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg und Julienne Stroeve vom National Snow and Ice Data Center in den USA nun in der Zeitschrift „Science“ veröffentlicht haben.

Anhand von Beobachtungsdaten untersuchten die beiden Autoren den Zusammenhang zwischen der Meereisfläche und dem Ausstoß von CO2 und fanden einen linearen Zusammenhang. „Vereinfacht ausgedrückt erwärmt sich das globale Klima pro Tonne Kohlendioxid ein kleines bisschen. Um diese Erwärmung auszugleichen, bewegt sich der Eisrand des arktischen Packeises ein kleines Stück in Richtung Nordpol, weil dort die Sonneneinstrahlung schwächer wird. Hierdurch nimmt dann die Eisfläche entsprechend ab. Aus geometrischen Gründen ergeben diese Prozesse den beobachteten, linearen Zusammenhang“, erläutert Notz.

Klimamodelle zeigen ebenfalls einen solchen linearen Zusammenhang zwischen Meereisfläche und Kohlendioxidausstoß, kommen allerdings häufig auf einen deutlich geringeren Eisverlust pro ausgestoßener Tonne CO2. Notz und Stroeve vermuten, dass diese Modelle die Zunahme von Wärmestrahlung in der Arktis unterschätzen. „Das Eis schmilzt in den Modellen einfach zu langsam, weil sich die Arktis darin zu schwach erwärmt“, sagt Stroeve.

In den vergangenen vierzig Jahren hat sich die Fläche des arktischen Meereises im Sommer etwa halbiert, was als eines der deutlichsten Zeichen der globalen Erderwärmung gilt. „Bislang wurde der Klimawandel meist als eher abstrakter Begriff wahrgenommen. Unsere Ergebnisse helfen nun dabei, diesen Eindruck zu überwinden. Beispielsweise können wir jetzt direkt ausrechnen, dass die Kohlendioxidemissionen auf einem Hin- und Rückflug von Frankfurt nach San Francisco pro Sitz etwa fünf Quadratmeter Meereis in der Arktis abschmelzen lassen“, so Stroeve.

Aus den Beobachtungsdaten ergebe sich, dass das Eis im September komplett abgeschmolzen sein wird – sobald noch etwa weitere tausend Gigatonnen CO2 ausgestoßen werden. Nur für die deutlich geringeren Emissionen, mit denen sich die globale Erwärmung – wie im Klimaabkommen von Paris gefordert – auf 1,5 Grad Celsius begrenzen ließe, würde das arktische Meereis auch im Sommer noch existieren können, schließt die neue Studie. Das international beschlossene Erwärmungsziel von zwei Grad Celsius reiche demnach nicht aus.