Foto des Brunt-Schelfeis

Schelfeis in der Antarktis schmilzt immer schneller

Nicht nur am Nordpol, auch in der Antarktis beschleunigt sich das Abschmelzen der Eismassen. Mit Satellitendaten bestimmten Forscher nun den Rückgang des schwimmenden Schelfeises am Südpol über einen Zeitraum von 18 Jahren. Wie sie in der Fachzeitschrift „Science“ berichten, reduzierte sich die Dicke dieser Eismassen zwischen 1994 und 2012 um bis zu 18 Prozent. Dieser Prozess beschleunigte sich besonders in der zweiten Hälfte des Beobachtungszeitraums.

Darstellung des Abschmelzens des Schelfeis in der Antarktis
Schwund von Schelfeis in der Antarktis

„Der Verlust von 18 Prozent innerhalb von 18 Jahren ist wirklich ein substanzieller Wandel“, sagt Fernando Serrano Paolo von University of California in San Diego. Für seine Analyse nutzte er zusammen mit seinen Kollegen die Messdaten von drei Satellitenmissionen der Europäischen Raumfahrtbehörde ESA. Über die Reflexion von Radarwellen konnten die Satelliten ERS-1, ERS-2 und Envisat aus ihren Umlaufbahnen die Höhe der Erdoberfläche messen. Damit ließ sich auch die schrumpfende Dicke des Schelfeis in der Antarktis bestimmen.

Zwischen 1994 und 2003 zeigte sich die Abschmelzrate noch relativ gering mit 25 Kubikkilometer pro Jahr. Zwischen 2003 und 2012 jedoch konnten Paolo und Kollegen ein beschleunigtes Abschmelzen von bis zu 310 Kubikkilometern pro Jahr feststellen. Der Verlust an Schelfeis konzentrierte sich auf den Westen der Antarktisregion und war in der Amundsensee stark ausgeprägt. Im Osten dagegen nahm die Dicke des Schelfeises in diesem Zeitraum sogar etwas zu. Aber bei der aktuellen Schmelzrate gehen die Forscher insgesamt von einer Halbierung des Schelfeises innerhalb der nächsten zweihundert Jahre aus.

Abschmelzendes Schelfeis führt selbst nicht zu einem Anstieg des Meeresspiegels, da es auf dem Wasser treibt und dieses entsprechend seiner Masse verdrängt. Allerdings wirkt Schelfeis als eine Blockade für die Eismassen auf dem antarktischen Festland. Schrumpft es, kann Festlandeis leichter nachrutschen und zu einer Erhöhung des Meeresspiegels führen. Abschätzungen der gigantischen Eismassen in der Antarktis zeigen, dass in ihnen knapp siebzig Prozent des irdischen Süßwassers gebunden ist. Schmölzen sie komplett ab, könnte der Meeresspiegel um mehr als fünfzig Meter ansteigen.