Foto. Kahle Bäume an dem Ufer eines Sees. Der See hat einen niedrigen Wasserstand. Das ist an Ablagerungen am Ufer zu erkennen. Der Himmel ist wolkenlos.

Passatwinde als Bremse für El Niño

Viele Wetterzentren sagten im Frühling 2014 ein starkes El-Niño-Ereignis im weiteren Verlauf des Jahres vorher. Bei diesem Witterungsphänomen erwärmt sich der tropische Ostpazifik um mehrere Grad Celsius. Dürren und Überschwemmungen rings um den Pazifik sind die Folge. Zum Teil deuteten die Computermodelle damals sogar auf ein Rekordereignis hin. Doch dann kam die Überraschung: El Niño blieb aus. Das lag an einer Verstärkung der Passatwinde im tropischen Pazifik, berichten Forscher um Qingye Min von der Chinesischen Akademie der meteorologischen Wissenschaften in Peking nun in der der Fachzeitschrift „Geophysical Research Letters“. 2015 soll El Niño aber eintreffen.

In El-Niño-Jahren gibt es typischerweise mehrere Phasen mit Westwind im zentralen Pazifik. Das ruft Meeresströmungen hervor, die eine Erwärmung im Ostpazifik nach sich ziehen. 2014 haben die ungewöhnlich kräftigen Passatwinde diese Entwicklung verhindert. Die Passatwinde wehen nämlich aus östlichen Richtungen und treiben das warme Wasser in den Westpazifik. Die Gruppe um Min erklärt in ihrer Studie ein wichtiges Detail der El-Niño-Abschwächung: Demnach lag die entscheidende Ursache in den ungewöhnlich niedrigen Wassertemperaturen im Südosten des subtropischen Pazifiks. Durch den Temperaturkontrast zwischen diesem kühlen Gebiet und den Tropen wurden die Passatwinde südlich des Äquators nämlich noch deutlich stärker angefacht als sonst. Die im Sommer 2014 auflebenden Passatwinde im tropischen Pazifik wirkten dann als Bremse für El Niño: Die Atmosphäre wurde durch sie daran gehindert, im Zusammenspiel mit dem Ozean echte El-Niño-Bedingungen zu entwickeln.

Wiederholt sich die Geschichte in diesem Jahr? Kürzlich kündigten meteorologische Zentren weltweit erneut ein starkes El-Niño-Ereignis an – so zum Beispiel die National Oceanic and Atmospheric Administration, eine US-amerikanische Wetter- und Klimabehörde. Aber anders als 2014 ist diesmal kein Fehlschlag der Vorhersage zu erwarten. Denn 2015 sind die Bedingungen viel günstiger: Die Wassertemperaturen im Südosten des subtropischen Pazifiks liegen derzeit im klimatologisch normalen Bereich, und die Passatwinde wehen viel schwächer als im vergangenen Jahr. Beide Faktoren begünstigen El Niño.

Schon jetzt sind Teile des östlichen tropischen Pazifiks zwei Grad Celsius wärmer als sonst. Prognosen zufolge könnten die Wassertemperaturen im Winter Werte erreichen wie zuletzt 1997 und 1998 – oder sie sogar übertreffen. Das damalige El-Niño-Ereignis gilt als das stärkste seit Beginn wissenschaftlicher Messungen in der Mitte des 20. Jahrhunderts. In Indonesien und Australien rief es Dürre hervor und löste Überschwemmungen in mehreren südamerikanischen Staaten aus. Mit ähnlichen Auswirkungen ist auch in diesem Winter zu rechnen. Außerdem könnte es in Kalifornien starke Regenfälle geben. In dem von Dürre geplagten US-Bundesstaat setzt man daher große Hoffnungen auf El Niño.

In den vergangenen Jahren mussten Meteorologen mehrmals Fehlschläge ihrer El-Niño-Prognosen hinnehmen. Dafür gibt es wohl mehrere Gründe. Beispielsweise hatten viele Bojen, die im tropischen Pazifik die Wassertemperaturen messen sollen, die in die Vorhersagen einfließen, technische Probleme. Inzwischen sind die meisten Bojen aber wieder repariert worden. Vor allem aber scheint die Vorhersagbarkeit des sehr komplexen Phänomens mit den Jahren zu schwanken. Die Jahre von 2001 bis 2014 waren eher anspruchsvolle Jahre für die Prognostiker, wie aus mehreren Studien hervorgeht. Drittens sind die Modelle, die zur Vorhersage verwendet werden, noch lange nicht perfekt. Die aktuelle Studie der Forscher um Min deutet darauf hin, dass nun auch der Einfluss des Südpazifiks genauer einbezogen werden muss. Nur dann können die Prognosen dieser so wichtigen Witterungsschwankung weiter verbessert werden.