Rosetta erreicht Kometen

Es war eine lange Reise: Vor zehn Jahren startete die Raumsonde Rosetta ins All, sechs Milliarden Kilometer hat sie zurückgelegt. Nun hat sie ihr Ziel erreicht: Heute Mittag ist das Raumfahrzeug in eine Bahn um den Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko eingeschwenkt. Es ist ein Novum in der Raumfahrtgeschichte – und war kein leichtes Unterfangen. Denn Kometen sind kleine Körper, nur einige wenige Kilometer groß, und besitzen eine entsprechend geringe Schwerkraft.

Deshalb musste Rosetta dem Kometen auf seiner Bahn in das innere Sonnensystem folgen und die Geschwindigkeit langsam an den Himmelskörper anpassen. Eine kleine Kurskorrektur reichte dann aus, um die Sonde in eine Bahn einschwenken zu lassen, auf der sie den Kometen in einem Abstand von hundert Kilometern begleitet. Eine Umlaufbahn um den Kometen im klassischen Sinn ist es nicht – dazu ist die Anziehungskraft von Churyumov-Gerasimenko zu gering. Regelmäßige Manöver sind nötig, um die Sonde auf Kurs zu halten.

Unregelmäßig geformter, mit Kratern übersäter HimmelskörperVideo von 67P/Churyumov-Gerasimenko
Kern des Schweifsterns Churyumov-Gerasimenko

Schon die ersten, von der Sonde bei der Annäherung an den Kometen zur Erde gesendeten Bilder sorgten für eine Überraschung: Der Komet ist nicht rund, sondern zeigt eine seltsame Doppelstruktur. Mit ihren Instrumenten konnte Rosetta auch schon die Temperatur des Kometen messen. Mit minus 70 Grad Celsius ist sie zwanzig bis dreißig Grad wärmer als von Wissenschaftlern erwartet. Das deute auf viel Staub und poröses Gestein, aber auf wenig Eis auf der Oberfläche hin.

Kometen sind Überbleibsel aus der Frühzeit des Sonnensystems: keine festen, felsigen Körper, sondern ein Gemisch aus Gesteinsbrocken und Staub, eingebettet in gefrorene, flüchtige Substanzen wie Wasser, Kohlenmonoxid, Kohlendioxid und Methan. Bei der Annäherung an die Sonne verdampfen die flüchtigen Bestandteile und führen zur Entstehung des charakteristischen Schweifs. Bereits im April konnte Rosetta den Beginn dieser Aktivität beobachten. Churyumov-Gerasimenko stößt derzeit etwa dreihundert Gramm Wasserdampf pro Sekunde ins All aus.

Diesen Vorgang hoffen die Forscher nun aus nächster Nähe zu beobachten. Rosetta soll sich dem Kometen in den kommenden Wochen Stück für Stück bis auf etwa zwanzig Kilometer nähern – dann ist auch ein echter Orbit im schwachen Schwerefeld des Himmelskörpers möglich. Im November setzt die Sonde dann, ein weiteres Novum, das kleine Landegerät Philae auf dem Kometenkern ab. Die geringe Schwerkraft des Kometenkerns erschwert die Landung: Damit der nur neunzig Zentimeter große Lander nicht wieder ins All zurückprallt, verankert er sich mit einer Art Harpune im Boden. Mit einem zwei Meter langen Greifarm kann er dann aus der Kruste des Kometen Proben entnehmen und in seinem bordeigenen Labor analysieren. In seinem Inneren enthält Churyumov-Gerasimenko möglicherweise unverfälschte Materie aus der Entstehungszeit unseres Sonnensystems. Philae könnte deshalb neue Erkenntnisse über die Herkunft des Wassers auf der Erde und vielleicht sogar über den Ursprung des Lebens liefern.