Rechts ein Raumfahrzeug mit großen Solarpanels, in der Mitte ein kleinerer Lander, links die Oberfläche des Kometen.

Philae-Lander auf dem Weg von Rosetta zur Kometenoberfläche

Die Kometensonde Rosetta hat den Lander Philae abgesetzt, der gegen 17 Uhr mitteleuropäischer Zeit auf der Oberfläche des Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko aufsetzen soll. Die Abkopplung fand um 9:35 Uhr statt. Wegen der großen Entfernung von über 500 Millionen Kilometern zwischen Rosetta und der Erde braucht das Licht – und damit die Funksignale der Sonde – etwa eine halbe Stunde, um zur Erde zu gelangen. Um 10:05 Uhr empfing das Kontrollzentrum in Darmstadt die Bestätigung, dass die Sonde und der Lander sich getrennt haben.

Links ein Übersichtsbild des Kometen, rechts eine Detailaufnahme des Landesplatzes. Er befindet sich an der Außenseite der kleineren der beiden „Hanteln“ des Kometen.
Der Landeplatz für Philae auf 67P

In der vorangegangenen Nacht war ein Problem mit einem der vier Landesysteme festgestellt worden. Da die Schwerkraft des Kometen sehr schwach ist, ist ein besonderes Vorgehen geplant, um ihn auf der Oberfläche zu verankern. Philae verfügt zum einen über flexible Landebeine, die das Aufsetzen abfedern sollen. An den Spitzen dieser Beine sollen sich Eisschrauben sofort in den Boden drehen, um Philae festzuhalten. Zum anderen wird der Lander eine Harpune auf die Oberfläche abfeuern, die ihn ebenfalls festhalten soll. Um den Rückstoß dieser Harpune auszugleichen und um nach einem möglichen Abprallen von der Oberfläche gegenzusteuern, verfügt Philae über eine Kaltgasdüse an seiner Oberseite, die zur Landung zünden sollte.

Die Aktivierung dieser Kaltgasdüse ist bei der Vorbereitung der Abtrennung Philaes von Rosetta fehlgeschlagen. Stephan Ulamec vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, der für die Landung Philaes zuständig ist, setzt auf günstige Bedingungen und die übrigen Landesysteme: „Die Kaltgasdüse auf der Oberseite des Landers scheint nicht zu funktionieren, sodass wir uns beim Aufsetzen voll auf die Harpunen verlassen müssen. Wir werden etwas Glück brauchen, dass wir nicht auf einem Felsbrocken oder einem steilen Abhang landen.“

Wegen der großen Verzögerung der Funksignale zwischen dem Kometen und der Erde kann die Landung nicht in Echtzeit von der Erde aus gesteuert werden. Ähnlich wie Landemanöver auf dem Mars oder anderen Himmelskörpern müssen diese automatisiert ablaufen und das Steuerungssystem an Bord des Landers auf Schwierigkeiten autonom reagieren. Erst eine halbe Stunde nach dem versuchten Aufsetzen Philaes auf 67P wird das Resultat im ESA-Kontrollzentrum bekannt sein.

Der nur etwa einen Meter große Lander Philae war zehn Jahre lang an der ESA-Kometensonde Rosetta angekoppelt unterwegs von der Erde zum Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko. Im August 2014 hatte die Sonde eine Bahn um den Kometen eingeschlagen und detaillierte Bilder der überraschend unregelmäßigen Oberfläche angefertigt, um einen möglichen Landepunkt zu identifizieren. Gewählt wurde die zunächst als „J“ und später „Agilkia“ getaufte Stelle auf der Oberfläche des Kometen.