Kohäsion hält kleine Asteroiden zusammen

Molekulare Kräfte zwischen Staubteilchen und Gesteinsbrocken spielen eine wichtige Rolle für die Stabilität kleiner Asteroiden. Das zeigt eine Untersuchung des etwa einen Kilometer großen Himmelskörpers 1950 DA durch Ben Rozitis und seine Kollegen von der University of Tennessee. Mit einer Periode von 2,12 Stunden dreht sich der auf einer erdnahen Bahn kreisende Asteroid zu schnell, als dass ihn allein die Gravitation zusammenhalten könnte. Das habe auch Konsequenzen für mögliche Abwehrstrategien gegen Asteroiden auf Kollisionskurs mit der Erde, so die Wissenschaftler im Fachblatt „Nature“.

Stark verrauschte bogenförmige Struktur
Radarbild des Asteroiden 1950 DA

Kleine Asteroiden sind oft keine festen Körper, sondern nur lose Ansammlungen von Geröll, erläutert das Team. Traditionell hat man das physikalische Verhalten dieser kosmischen Geröllhaufen ausschließlich mit der Schwerkraft und Reibungskräften beschrieben. Die Untersuchung von 1950 DA durch die drei Forscher zeigt jedoch, dass dieser einfache Ansatz nicht ausreicht: „Kohäsive Kräfte sind nötig, um einen Zerfall dieses Asteroiden zu verhindern.“

Rozitis und seine Kollegen kombinierten die aus Radarbeobachtungen rekonstruierte Form von 1950 DA mit Infrarotbeobachtungen des Weltraumteleskops Wide-field Infrared Survey Explorers, kurz WISE, zu einem Modell des physikalischen Aufbaus des Asteroiden und der in ihm wirkenden Kräfte. Mit einer Porosität von 51 Prozent ist 1950 DA ein locker gepackter Körper, so zeigt das Modell. Die Schwerkraft würde nicht reichen, um ihn bei der gemessenen schnellen Rotation zusammenzuhalten. Die Wissenschaftler sehen eine „trockene Kohäsion“ durch Van-der-Waals-Kräfte am Werk. Dabei führen mikrometergroße Partikel zu einer schwachen Haftung zwischen größeren Gesteinsbrocken.