Das 2D-Diagramm zeigt eine andkartenausschnitt um Iquique. Pfeile zeigen an, wie schnell und wohin sich die Erdoberfläche verschiebt.

Vorbeben beeinflussen Erdbebenablauf maßgeblich

Bereits neun Monate vor dem starken Hauptbeben im April 2014 bei Iquique in Nordchile machten sich vereinzelte Vorbeben mittlerer Stärke bemerkbar. Wissenschaftler um Bernd Schurr vom Deutschen Geoforschungszentrum in Potsdam legen nun im Fachjournal „Nature” eine Analyse der minutiös aufgezeichneten seismischen Daten aus der Region dar. Der Studie zufolge konnte durch die Vorbebenserie ein Teil einer tektonischen Platte abbrechen, woraufhin die Erde im April stark bebte. Ein weiteres starkes Erdbeben könnte bevorstehen.

Vor Südamerikas Westküste stoßen die pazifische Nazca-Platte und die Südamerikanische Platte gegeneinander. Ein durchschnittlich etwa sieben Zentimeter breiter Streifen des Pazifikbodens taucht dort jedes Jahr unter den Kontinent und baut so Spannung auf. In dieser „Subduktionszone“ bricht innerhalb einer Zeitspanne von rund 150 Jahren der Plattenrand zwischen Patagonien im Süden und Panama im Norden einmal komplett durch. Wenn Plattensegmente abbrechen, löst das starke Erbeben und Vulkanausbrüche aus. Dieser Zyklus war auch beinahe allerorts durchlaufen. Einzig das Plattensegment westlich von Iquique hielt sich. In dieser sogenannten seismischen Lücke gab es seit 1877 kein großes Erdbeben mehr. Geologen waren sich also schon vor dem Beben im April einig, dass das verbleibende Plattensegment früher oder später brechen muss – nur den genauen Zeitpunkt und den Ablauf konnten sie nicht vorhersagen.

Animation der VorbebenAnimation der Vorbeben
Animation der Vorbeben

Aus diesem Grund zeichnet das Integrated Plate Boundary Observatory of Chile ständig seismische Daten des Gebiets auf und macht sie weltweit im Observationsnetzwerk mitarbeitenden Forschergruppen in Echtzeit zugänglich. Letztere werten die Messungen der Satelliten, Seismometer sowie Creepmeter – mit denen sich langsamste Bodenverschiebungen in erdbebenfreien Phasen detektieren lassen – dann zügig aus.

Dabei erkannten die Forscher, dass die beiden Platten sich gegenseitig blockiert hatten. Erst die Vorbeben lockerten diese Verhakung schrittweise, bis die Platten im starken Iquique-Beben nachgaben.
 „Die Vorbeben brachen in mehreren Schwärmen, die sich von Süden nach Norden fortpflanzten, den Rand des später im Hauptbeben gebrochenen zentralen Stücks“, resümiert Schurr. Mit Blick auf die Studie sieht er „immer noch Platz für ein weiteres Starkbeben“. Da die seismische Lücke von Iquique weiterhin nicht geschlossen ist, wird das Observationsnetzwerk weiter ausgebaut.