Spuren von Leben durch Grundwasser auf dem Mars?

Tucson (USA) – In der frühen Phase unseres Sonnensystem besaßen sowohl die Erde als auch der Mars eine wasserhaltige Oberfläche. Aber schon als sich auf unserem Planeten die ersten fortschrittlichen Stufen des Lebens entwickelten, war die Oberfläche des Mars wieder ausgetrocknet. Während auf der Erde einzellige Organismen erstmals einen Zellkern ausbildeten und die Photosynthese die direkte Nutzung des Sonnenlichtes möglich machte, war auf dem Mars nur noch unter der Oberfläche genügend Feuchtigkeit vorhanden, um Lebensprozesse zu ermöglichen. Geophysiker haben nun einen Ort ausfindig gemacht, der sich besonders gut dafür eignet, mögliche Spuren von Leben auf dem Mars zu finden: Am Boden des McLaughlin-Kraters liegen Sedimente, die sich über einen langen Zeitraum in einem ehemaligen Kratersee dort abgelagert haben, berichten die Forscher im Fachblatt „Nature Geoscience“. Der See wurde von Grundwasser tief aus der Marskruste gespeist und dürfte deshalb gute Bedingungen für die Suche nach Leben bieten.

Falschfarbenaufnahme von der Marsoberfläche, der McLaughlin-Krater ist links im Bild zu sehen, darüber liegen Kanäle und rechts davon eine Erhebung und ein weiterer Krater.
McLaughlin-Krater auf dem Mars

„Der McLaughlin-Krater ist einer der tiefsten Krater auf dem Mars. Er zeigt Hinweise auf Ton und Karbonate, die wahrscheinlich in einem alkalischen, von Grundwasser gespeisten See entstanden sind“, schreibt Erstautor Joseph Michalski vom Planetary Science Institute. Solche geologischen Bedingungen eignen sich gut dazu, um Anzeichen für mikrobiotisches Leben in einer tiefer liegenden Schicht zu konservieren. Die Marskruste besitzt aufgrund der geringeren Schwerkraft des Planeten eine höhere Porosität als die Erdkruste und könnte deshalb bis in über sechs Kilometer Tiefe große Mengen Wasser gespeichert haben. Der Mars hat zwar schon seit Jahrmilliarden seine Atmosphäre und den größten Teil seiner Wasservorräte verloren. Sollte er aber unterirdische Lebensformen besessen haben, sind deren Spuren – etwa verschiedene organische Verbindungen – am ehesten in Sedimentgesteinen zu finden, die in Kontakt mit Grundwasser entstanden sind.

Auf der Erde machen unterirdische Organismen immerhin rund die Hälfte der gesamten Biomasse aus. Sie gehören nicht nur zu den ältesten bekannten Lebensformen, sondern besitzen auch eine erstaunliche Vielfalt. Sie finden sich noch in fünf Kilometer Tiefe und darunter. Die vielfältigen chemischen Bedingungen in der Erdkruste bieten gute Bedingungen für die Entstehung unterschiedlicher Mikroben. Einige Wissenschaftler vermuten deshalb, dass diese Organismen sogar die ersten Lebensformen überhaupt waren, aus denen sich alle anderen entwickelt haben. Die Autoren der neuen Studie halten dies auch auf dem roten Planeten für möglich. Orte, an denen Material aus der Tiefe der Marskruste an die Oberfläche befördert wurde, sollten deshalb bei künftigen Missionen zur Suche nach Leben auf unserem Nachbarplaneten ganz oben auf der Liste stehen.