Meteorit enthält überraschend viele präbiotische Moleküle

Organische Stoffe aus dem Weltall haben möglicherweise die rasche Entstehung erster Lebensformen auf der abkühlenden Erde vor knapp vier Milliarden Jahren vorangetrieben. Die Analyse von Bruchstücken des 2012 in Kalifornien niedergegangenen Sutter’s-Mill-Meteoriten liefert nun weitere Belege für diese Hypothese. Wie die Wissenschaftler in den „Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America“ berichten, fanden sie unerwartet viele sogenannte präbiotische Stoffe, darunter einige, die bei der Bildung erster zellähnlicher Strukturen geholfen haben könnten.

Schwarze Gesteinsbrocken unterschiedlicher Größe.
Bruchstücke des Sutter's-Mill-Meteoriten

„Die Zusammensetzung bestimmter Meteoriten gilt seit langem als Hinweis darauf, dass die Bausteine für die chemische Evolution, die zur Entstehung des Lebens geführt haben, durch Meteoriten zur Erde gebracht wurden“, sagt Sandra Pizzarello von der Arizona State University. Der am 22. April 2012 am Himmel über Kalifornien zerbrochene kosmische Gesteinsbrocken ist ein solcher Meteorit, ein sogenannter kohliger Chondrit. Seinen Namen erhielt er von dem historischen Sägewerk Sutter’s Mill aus der Goldgräberzeit, in dessen Nähe erste Bruchstücke des Meteoriten aufgespürt wurden. Insgesamt wurden 75 Fragmente gefunden.

Erste Untersuchungen der Bruchstücke durch Pizzarello und ihre Kollegen mit spektroskopischen Methoden verliefen jedoch enttäuschend: Der Sutter’s-Mill-Meteorit enthielt weniger lösliche organische Stoffe als vergleichbare Chondriten. Ein zweites, neuartiges Verfahren dagegen lieferte überraschende Ergebnisse. Die Wissenschaftler setzten die Bruchstücke ähnlichen Bedingungen aus, wie sie auf der jungen Erde geherrscht haben. So konnten sie auch nichtlösliche Stoffe freisetzen und untersuchen. Neben von anderen Meteoriten bekannten sauerstoffhaltigen Verbindungen stießen die Forscher dabei auf polyether- und esterhaltige Kohlenwasserstoffen, Substanzen „von präbiotischer Bedeutung, die nie zuvor in Meteoriten nachgewiesen wurden“.

Pizzarello und ihre Kollegen ziehen aus ihren Befunden den Schluss, dass es „eine größere Verfügbarkeit meteoritischer organischer Stoffe für planetarische Umgebungen gibt als bislang angenommen“. Die Evolution auf der jungen Erde könne nicht nur unmittelbar von den löslichen Stoffen in Meteoriten profitiert haben, sondern auch durch die über einen längeren Zeitraum freigesetzten nichtlöslichen organischen Moleküle. Einige dieser Stoffe seien geeignet, so Pizzarello, „um abgeschlossene Bereiche zu formen, in denen sich die für die präbiotische Evolution nötigen Bausteine ansammeln konnten.“ Auf diese Weise könnten erste rudimentäre Zellen entstanden sein.