Mond: Dehnungsrisse trotz Schrumpfung

Graue Fläche, mit Kratern übersäät. Zwischen den Kratern verlaufen lange horizontale Strukturen
Dehnungsrisse auf der Mondoberfläche

Washington (USA) – Auf der Mondoberfläche gibt es zahlreiche Dehnungsrisse – geologische Gräben -, obwohl der Erdtrabant langsam schrumpft. Das zeigen Aufnahmen der amerikanischen Sonde „Lunar Reconnaissance Orbiter“, die ein Forscherteam im Fachblatt „Nature Geoscience“ präsentiert. Die Gräben sind bis zu 1,8 Kilometern lang und bis zu 500 Meter breit. Da sie kaum von Kratern unterbrochen werden, müssen sie geologisch jung sein. Die Wissenschaftler schätzen ihr Alter auf maximal 50 Millionen Jahre.

„Aber sie können ebenso gut erst zehn Millionen oder eine Million Jahre alt sein“, sagt Thomas Watters von der Smithsonian Institution in Washington, ein Mitglied des Forscherteams. „Vielleicht sind sie sogar vor 40 Jahren entstanden. Das Verblüffende für uns ist, dass der Mond offenbar noch in jüngster Zeit geologisch aktiv ist.“ Verblüffend für die Wissenschaftler ist außerdem, dass der Mond überhaupt Dehnungsrisse zeigt. „Wir denken, dass sich der Mond in einem Zustand der Kontraktion befindet, da sich sein heißes Inneres langsam abkühlt“, so Watters. „Die Gräben zeigen uns nun, dass es in einigen Gebieten Kräfte gibt, die dieser Schrumpfung entgegen wirken.“

Über die gesamte Mondoberfläche verstreute Falten bestätigen das Bild des schrumpfenden Erdtrabanten. Aus der Größe der Falten ergibt sich, dass der Mond seit seiner Entstehung um etwa 200 Meter geschrumpft ist. In den bisherigen Modellen der Mondentwicklung unterbindet dieser Schrumpfungsprozess die Bildung von geologischen Gräben. Diese Modelle allerdings gehen davon aus, dass der Erdtrabant bei seiner Entstehung vollkommen geschmolzen war. Nach der heute von den Wissenschaftlern favorisierten Theorie hat sich der Mond vor vier Milliarden Jahren aus den Trümmern der Kollision eines marsgroßen Himmelskörpers mit der jungen Erde gebildet. Die Entdeckung der Dehnungsrisse spricht nun nach Ansicht von Watters und seinen Kollegen dafür, dass nur der äußere Teil des jungen Mondes aus flüssigem Magma bestanden hat, während der innere Teil bereits fest war.