Eisberg in der Arktis

Kalte Winter durch warme Arktis-Sommer

Lexington (USA) – Auch wenn der aktuelle Winter mild ausfällt, gehörten seine Vorgänger zu den strengsten der letzten hundert Jahre. Für diesen Trend zu besonders rauen Wintern auf der nördlichen Erdhalbkugel wollen Forscher jetzt eine Erklärung gefunden haben: Sie entdeckten ein Wechselspiel mit dem im Sommer verstärkt schmelzenden Arktis-Eis. Dieser Vorgang führe zu feuchteren Luftmassen – und diese wiederum gäben dann bei Kälte deutlich mehr Schnee ab als bisher üblich. Tatsächlich hat sich die durchschnittliche Schneebedeckung in Nordamerika und Eurasien in den vergangenen zwei Jahrzehnten erhöht, berichten die Forscher im Fachblatt „Environmental Research Letters“. Ihre Erkenntnisse sollen auch die Genauigkeit der Wettervorhersagen verbessern.

„Für mich gibt es keinen Zweifel, dass die Erde sich erwärmt und dies überall wärmere Temperaturen zu allen Jahreszeiten begünstigt – allerdings hat die vermehrte Schneebedeckung zu regionaler Abkühlung geführt“, erklärt Judah Cohen vom Forschungs- und Beratungsunternehmen Atmospheric and Environmental Research (AER). „Wenn es im Herbst aber weiterhin wärmer wird, wird der Niederschlag, der derzeit als Schnee fällt, als Regen fallen und die Abkühlung beenden.“

Cohen hatte gemeinsam mit Kollegen der University of Massachusetts und der University of Alaska Fairbanks die Wetterdaten der Nordhalbkugel und der Arktis analysiert. Dabei fanden sie die stärksten winterlichen Abkühlungstrends für den Osten der USA, den Süden Kanadas und große Teile im Norden von Europa und Asien. Diese ließen sich nicht mit natürlichen Klimaschwankungen erklären, so Cohen. Allerdings entdeckte das Team einen deutlichen Zusammenhang mit den Beobachtungsdaten aus der Arktis.

Wenn es im Juli, August und September in der Arktis ungewöhnlich warm war, förderte dies den Daten nach das Schmelzen des Meereseises. Gleichzeitig konnte die wärmere Atmosphäre mehr verdunstendes Wasser aufnehmen. Diese feuchtere Luft wiederum erhöhte die Wahrscheinlichkeit stärkerer Schneefälle im Winter – auch weiter südlich über Eurasien und Nordamerika. Diese größere Schneedecke muss bei Klimamodellen berücksichtigt werden, fordern die Forscher. Schließlich gebe es eine komplizierte Wechselwirkung mit der so genannten Arktischen Oszillation – die Luftdruckmuster in den arktischen und den mittleren Breiten auf der Nordhemisphäre – und beeinflusse das Vordringen kalter Polarluft nach Süden. Hier liege der Hauptgrund, weshalb konventionelle Klima- und Wettermodelle in der Vorhersage oft daneben liegen, so Cohen: „Wir zeigen, wie das Einfließen der Schneebedeckung in eine jahreszeitliche Vorhersage eine geschicktere und exaktere Vorhersage liefert.“