Europäischer Erdbebenkatalog für die vergangenen tausend Jahre erstellt

Potsdam – Wie stark kann in Deutschland die Erde beben? Wo treten in Europa am häufigsten Erdbeben auf? Diese Fragen sind entscheidend, um zum Beispiel das Erdbebenrisiko für eine Region vorauszusagen oder Sicherheitsstandards für Gebäude festzulegen. Wissenschaftler des Deutschen GeoForschungsZentrums in Potsdam (GFZ) haben deshalb einen harmonisierten Erdbebenkatalog für Europa und den Mittelmeerraum für das vergangene Jahrtausend erarbeitet. Der Katalog umfasst etwa 45.000 Erdbeben, wie die Forscher in der Zeitschrift „Journal of Seismology“ berichten.


Das Bild zeigt eine Europakarte, auf der zusätzlich Plattengrenzen im Atlantik sowie entlang der Küsten Nordafrikas, Südeuropas sowie Osteuropas und des Nahen Ostens zu sehen sind. Bruchstörungen sind zum Beispiel entlang der Alpen eingezeichnet. Bisherige Beben sind mit weißen Punkten markiert, starke Häufungen von Beben treten beispielsweise in Italien und Griechenland auf.
Plattengrenzen und Erdbeben in Europa

„Der von uns vorgelegte Katalog umfasst die Beben der letzten tausend Jahre ab einer Momentmagnitude von 3,5 im nördlichen Teil des katalogisierten Gebietes und einer Momentmagnitude größer als 4,0 für den südlichen Teil“, erklärt Gottfried Grünthal vom GFZ. Die Momentmagnitudenskala ist eine der Skalen für die Stärke von Erdbeben, sie wird heute für größere Beben auf der ganzen Welt verwendet. Insgesamt haben die Wissenschaftler etwa 80 zumeist nationale Kataloge, mehr als hundert weitere Quellen sowie viele eigene Analysen historischer Schlüsselerdbeben einbezogen. Damit bietet der EMEC (European-Mediterranean Earthquake Catalogue) eine regionale Langzeitdatenbasis mit vereinheitlichten Magnituden zur Messung der Stärke von Beben.

Der dokumentierte Zeitraum umfasst die Jahre von 1000 bis 2006, für einige Regionen existieren zusätzlich Bebendaten, die bis zum Jahr 300 zurückreichen. Allerdings sind die Daten in den frühesten katalogisierten Zeiten nicht vollständig, weil Erdbeben damals noch nicht genau gemessen und aufgezeichnet werden konnten. Dennoch ist die Analyse dieser historischen Ereignisse wichtig, denn in manchen Regionen treten starke Erdbeben in großen Zeitabständen von Hunderten von Jahren auf. „Bestandteil der EMEC-Veröffentlichung ist zudem eine Liste von Beben, die nach unseren neuen Erkenntnissen nicht stattgefunden haben (sogenannte fakes) infolge von Irrtümern von Chronisten, Verwechslungen und Datumsfehlern“, ergänzt Grünthal. Der Katalog soll als Grundlage für die Gefährdungsabschätzung für Erdbeben und bebenbedingte Tsunamis dienen sowie bei weiteren geowissenschaftlichen Untersuchungen helfen.