Biotreibstoffe schaden der Ozonschicht

Christchurch (Neuseeland) – Kaum mehren sich die Anzeichen, dass sich die Ozonschicht dank des Verbots von Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW) erholt, schon warnen Wissenschaftler vor einer neuen Gefahr: Die Produktion von Biotreibstoffen, die eigentlich den Treibhauseffekt bremsen sollten, führe zu einem Anstieg bestimmter Stickoxide. Und diese werden der Schicht in der Stratosphäre, welche die Erde vor UV-Strahlung schützt, bis zum Jahr 2100 immer stärker zusetzen. Ihre Simulationen, die eine Zunahme des Ozonabbaus durch Stickoxide um bis zu zehn Prozent prognostizieren, veröffentlichten die Forscher im Fachblatt „Geophysical Research Letters“.

Grafik der Erdkugel mit Fokus auf die südliche Hemisphäre. Ein Großteil der Südhalbkugel ist grün und gelb eingefärbt, was auf ene normale Konzentration von Ozon in der Stratosphäre hinweist. Direkt über der Antarktis ist ein großer, bläulich-violetter Fleck zu sehen, das Ozonloch.
Ozonloch über dem Südpol

„Der Anbau von Energiepflanzen für Biotreibstoffe verursacht große Distickstoffoxidemissionen (N2O) wegen der Nutzung von stickstoffhaltigem Dünger“, erklären Laura Revell und ihre Kollegen von der University of Canterbury in Christchurch. Dieses Stickoxid wirkt nicht nur als hoch effizientes Treibhausgas – knapp 300-mal stärker als Kohlendioxid – sondern beschleunigt in bis zu 20 Kilometer hohen Schichten der Atmosphäre den Abbau des UV-Schutzmantels aus Ozon. Zwar ersetzen Bioethanol und Biodiesel auch einen Teil fossiler Treibstoffe. Doch der Vorteil geringerer CO2-Emissionen wird zumindest teilweise durch die erhöhten Stickoxidmengen aufgezehrt.

Mit drei verschiedenen Simulationen zeigten Revell und Kollegen den Anstieg der Stickoxid-Emissionen und deren Auswirkungen auf die Ozonschicht. So könnten bei intensiver Nutzung von Biotreibstoffen bis zum Ende dieses Jahrhunderts etwa 14 Megatonnen N2O jährlich freigesetzt werden. Die Produktion von Biotreibstoffen würde mit einem Anteil von gut 60 Prozent maßgeblich dafür verantwortlich sein. Eine Erwärmung der Atmosphäre durch den Treibhauseffekt würde den Ozonabbau durch Stickoxide zusätzlich unterstützen. Denn N2O zersetzt Ozon effizienter, je wärmer die Umgebung ist.

N2O schädigt das Ozon nicht so nachhaltig wie FCKW, deren Herstellung und Verwendung 1987 im Montrealer Protokoll verboten wurde. Doch verbleibt es etwa 114 Jahre in der Atmosphäre und kann über diesen Zeitraum die Ozonschicht schädigen. In weiteren Studien könnten Atmosphärenforscher beziffern, wie groß genau das Ozonloch-Risiko durch Biotriebstoffe tatsächlich sein wird.