ESRF-Hauptgebäude

Aufbau und Finanzierung

Die ESRF vereint eine internationale Trägerschaft durch derzeit 18 europäische Staaten mit großer Effizienz und Flexibilität in Management und Betrieb. Kosteneffizienz ist eine absolute Notwendigkeit, da die ESRF als Dienstleister der Wissenschaft im ständigen Wettbewerb mit anderen Synchrotronquellen in Europa und der ganzen Welt steht.

Ein Bürogebäude im Vordergrund, ein ringförmiges Gebäude im Hintergrund
Hauptgebäude und Speicherring der ESRF

Bei der ESRF sind die Finanzierung, die Beschlussfassung über alle wichtigen Angelegenheiten, die wissenschaftliche Begleitung und die Zusammensetzung des Personals international; die Gesellschaftsform und die Regeln des täglichen Betriebs, darunter auch das Personalstatut, unterliegen dagegen französischem Recht, wobei maximale Synergien mit dem benachbarten ILL und den Einrichtungen des französischen CEA (französische Forschungsorganisation) in Grenoble angestrebt werden.

Mitgliederstruktur

Europakarte mit den Mitgliedsländern der ESRF. Liste im zugehörigen Artikel.
Mitgliedsländer der ESRF

Effizienz und Flexibilität spiegeln sich bereits in der Mitgliederstruktur wieder: Obwohl 18 Staaten (siehe unten) die Finanzierung tragen, stimmen im Rat der ESRF, ihrem obersten Organ, nur acht Parteien ab. Erst ein Anteil von 4 Prozent an der Finanzierung gewährt volle Mitgliedsrechte. Länder mit einem Anteil unter 4 Prozent müssen sich daher zu Konsortien zusammenschließen, die mit je einer Stimme im Rat der ESRF vertreten sind. Die vier Länder im Norden Europas sowie Belgien und die Niederlande haben je ein solches ESRF-Konsortium gegründet.

Ein Land kann mit der ESRF auch ein Beitragsabkommen schließen, ohne Vollmitglied mit Stimmrecht im Rat der ESRF zu werden. Im Gegenzug erhalten die Wissenschaftler dieses Landes einen gewissen Anteil an der Nutzung der ESRF. Mehrere kleinere europäische Staaten sowie Israel machen von dieser Möglichkeit Gebrauch; in den folgenden Jahren planen weitere Länder einen Beitritt.

Natürlich steht die ESRF auch kommerziellen Nutzern offen, wobei eine Obergrenze von 10 Prozent ihren dominanten Charakter als Dienstleister für die Wissenschaft sicherstellt.

Im Rat der ESRF werden alle wichtigen Beschlüsse zum Budget, dem wissenschaftlichen Programm und größeren Beschaffungen getroffen. Zwei Expertenkomitees unterstützen den Rat. Dem Generaldirektor der ESRF obliegt die Verantwortung für die tägliche Leitung, das Personal und den Betrieb. Seit Januar 2009 führt Dr. Francesco Sette aus Italien die Geschäfte der ESRF. Er wird dabei von einem sechsköpfigen kollegialen Direktorium unterstützt, dem zur Zeit drei deutsche Direktoren und Bereichsleiter angehören.

Viele junge Wissenschaftler

Eine Wissenschaftlerin steht an einer Edelstahl-Apparatur.
Proteinkristallografie

Eine weitere Besonderheit der ESRF ist der große Wissenschaftleranteil am Personal: Rund ein Viertel der 600 Mitarbeiter sind selbst aktive Wissenschaftler. Insbesondere wird jede Beam Line von einem international ausgewiesenen Forscher betreut, der sich sowohl der ständigen Verbesserung „seiner“ Experimentierstation wie auch eigenen Forschungsarbeiten widmet. Eines der Erfolgsrezepte der ESRF ist die klare Ausrichtung auf die Bedürfnisse der verschiedenen Nutzer, die von ihren „Beam Line Scientists“ in die Praxis umgesetzt wird. Daneben beschäftigt die ESRF rund 50 hochqualifizierte jüngere Wissenschaftler sowie 30 Doktoranden auf der Basis von Zeitverträgen, was einen ununterbrochenen Strom junger Talente in die Einrichtung sicherstellt. Diese Tatsache reflektiert auch das Durchschnittsalter der ESRF-Mitarbeiter von nur 38 Jahren.

Deutsche Wissenschaftler sind auf allen Ebenen vertreten. Die Qualität der hauseigenen Forschung bei der ESRF lässt regelmäßig auch deutsche Wissenschaftler ein Angebot aus Grenoble annehmen.

Trotz eines konstanten Budgets ist es der ESRF in den vergangenen fünf Jahren gelungen, die Anzahl ihrer Nutzer, der Experimente und der Veröffentlichungen um rund 20 Prozent zu steigern.

ESRF-Mitgliedsstaaten und Beitragszahler (Stand 2008)

 

                                     

Mitgliedsstaaten und ihre finanziellen Beiträge

Anteil

Staat bzw. Konsortium

27,5%

Frankreich

25,5%

Deutschland

15%

Italien

14%

Großbritannien

4%

Schweiz

4%

Spanien

6%

Benesync (Belgien und Niederlande)

4%

Nordsync (Dänemark, Finnland, Norwegen und Schweden)

 

                      

Beitragszahler, die kein Stimmrecht ausüben (scientific associates)

Anteil

Staat

1%

Portugal

1%

Israel

1%

Österreich

1%

Polen

0,47%

Tschechien