In der künstlerischen Darstellung ist ein steiniger Planet groß im Vordergrund zu sehen, im Hintergrund ein kleiner, rötlicher Stern.

Erdähnlicher Planet in benachbartem Sternsystem entdeckt

Es ist der vielleicht nächstgelegene Planet jenseits unseres Sonnensystems: Astronomen haben die Entdeckung eines Exoplaneten um den roten Zwergstern Proxima Centauri verkündet. Mit lediglich 4,2 Lichtjahren Entfernung ist Proxima Centauri der Stern, der der Sonne am nächsten ist. Was den Fund noch spektakulärer macht: Laut den Berechnungen der Wissenschaftler ist der auf den Namen Proxima Centauri b getaufte Planet nur wenig größer als die Erde und umkreist seinen Stern in einer Entfernung, die flüssiges Wasser auf seiner Oberfläche erlauben könnte. Darüber berichten Guillem Anglada-Escudé von der University of London und seine Kollegen im Fachmagazin „Nature“.

Astronomen hatten bereits mehrere Male nach Planeten um Proxima Centauri gesucht – bis dato allerdings erfolglos. Das Team um Guillem Anglada-Escudé verwendete nun bereits vorhandene Beobachtungsdaten aus sechzehn Jahren, die mit den HARPS- und dem UVES-Spektrografen der Europäischen Südsternwarte ESO in der Atacamawüste von Chile aufgenommen worden waren.

Die Spektrografen zerlegen das Sternenlicht in seine regenbogenfarbigen Bestandteile und enthüllen dabei Eigenschaften eines Sterns – wie etwa seine chemische Zusammensetzung oder Temperatur. Diese Spektralfarben eines Sterns können Wissenschaftlern aber auch verraten, ob er von einem Planeten umkreist wird, denn die Schwerkraft des Planeten bringt seinen Stern ganz leicht zum Taumeln. Dadurch ist das Licht eines Sterns ins Bläuliche oder Rötliche verschoben, je nachdem ob er sich auf den Beobachter zu- oder von ihm wegbewegt.

Der Orbit von Proxima b um den Stern Proxima Centauri wird verglichen mit dem Orbit von Merkur um die Sonne. Es lässt sich erkennen, dass Proxima b viel näher dran ist, sich aber auch in der habitablen Zone befindet.
Orbit von Proxima Centauri b

Während die Analyse vorhandener Beobachtungsdaten bereits auf einen Planeten um Proxima Centauri hoffen ließen, erbrachte erst eine zusätzliche Beobachtungskampagne mit dem HARPS-Spektrografen über 54 Tage Anfang dieses Jahres die entscheidenden Hinweise für die Astronomen: Proxima Centauri besitzt mindestens einen Planeten.

Dieser benötigt für einen Umlauf um den Stern lediglich 11,2 Tage. Sein durchschnittlicher Abstand beträgt dabei rund sieben Millionen Kilometer, was fünf Prozent des Abstands der Erde zur Sonne entspricht. Mit rund 1,3 Erdmassen fällt Proxima Centauri b in die Kategorie der steinigen, erdähnlichen Planeten. Trotz der großen Nähe zu seinem Stern ist es nicht ausgeschlossen, dass es flüssiges Wasser auf seiner Oberfläche gibt, da Proxima Centauri ein roter Zwergstern und somit sehr viel kühler als die Sonne ist.

Ob damit allerdings schon die Voraussetzungen für Leben auf diesem Planeten gegeben sind, ist unklar. Einerseits benötigen kleine Sterne wie Proxima Centauri sehr viel länger als sonnenähnliche Sterne, um ihren Brennstoffvorrat zu verbrauchen. Somit gäbe es mehr Zeit für die Entwicklung biologischer Aktivität. Andererseits herrschen in der nahen Umgebung von roten Zwergsternen raue Bedingungen, da diese viel aktiver als die Sonne sind: Neben starken Magnetfeldern sowie Ausbrüchen, die Teilchenwinde mit sich bringen, dürfte der vermeintliche Exoplanet Proxima Centauri b auch einer etwa vierhundert Mal höheren Röntgenstrahlung als die Erde ausgesetzt sein.