Buckyballs in Milchstraße

Das fein verteilte Gas zwischen den Sternen unserer Milchstraße enthält ballförmige Moleküle aus 60 Kohlenstoffatomen, sogenannte Buckyballs. Das haben Wissenschaftler schon vor 20 Jahren vermutet, aber erst jetzt hat ein Forscherteam aus der Schweiz und Deutschland die Annahme durch exakte Laboruntersuchungen bestätigt. Zwei diffuse Absorptionslinien im Licht vieler Sterne entsprechen sowohl von der Wellenlänge als auch von ihrer Breite exakt der im Labor beobachteten Absorption, so die Wissenschaftler im Fachblatt „Nature“.

Oben ballförmiges Molekül, unten Grafik Diagramm zweier Absorptionslinien.
Absorption durch Buckyballs

„Bereits kurz nach Entdeckung der Buckyballs wurde die Frage aufgeworfen, ob sie für einige der diffusen interstellaren Bänder verantwortlich sein könnten“, schreiben John Meier von der Universität Basel und seine Kollegen. Über 400 derartige diffuse Absorptionslinien haben die Himmelsforscher seit ihrer Entdeckung vor hundert Jahren in den Spektren von Sternen aufgespürt. „Bislang konnte für keine dieser Linien das verursachende Molekül definitiv identifiziert werden“ so die Forscher.

Im Jahr 1994 zeigte die österreichische Astrobiologin Pascale Ehrenfreund, dass die Absorptionslinien bei 9577 und 9632 Ångström nahezu – aber nicht exakt – mit der Absorption von Buckyballs übereinstimmen, die für die Untersuchung im Labor in eine Matrix aus Neon eingebettet waren. Das war zwar ein deutliches Indiz für Kohlenstoffbälle als Verursacher. Ein endgültiger Beweis erforderte jedoch die Untersuchung von Buckyballs in der gasförmigen Phase unter Bedingungen, die jenen im interstellaren Medium entsprechen.

Das ist Maier und seinen Kollegen nun erstmals gelungen. Die Wellenlängen der im Labor beobachteten Absorption stimmen mit einer Genauigkeit von einem Zehntel Ångström mit den Wellenlängen der beiden diffusen interstellaren Linien überein. Auch Ehrenfreund freut sich über die „erstaunliche Übereinstimmung“ zwischen den Labor-Messungen und den astronomischen Beobachtungen, die nach 21 Jahren ihre Vermutung bestätigt. In einem Kommentar in „Nature“ schreibt die Forscherin, dass das Trägermolekül ein wichtiges Reservoir an organischem Material im Universum darstellen könnte.