Gesteinsschnitt mit kugelförmigen Strukturen

Meteorit speichert Magnetfeldstärke des Urnebels

Magnetfelder spielten eine wichtige Rolle bei der Entstehung unserer Sonne und ihrer Planeten aus einer Wolke aus Gas und Staub. Das zeigt die Untersuchung von Stücken eines bereits 1940 in Indien niedergegangenen Meteoriten durch ein Forscherteam aus den USA. Der Meteorit habe in Schmelzkügelchen – sogenannten Chondrulen – die Stärke des damaligen Magnetfelds gespeichert, berichten die Wissenschaftler im Fachblatt „Science“.

„Unsere Untersuchung zeigt, dass das magnetische Feld stark genug war, um die großräumige Bewegung des Gases signifikant zu beeinflussen“, erklärt Roger Fu vom Massachusetts Institute of Technology im US-amerikanischen Cambridge. Nach einem solchen Einfluss haben die Astronomen lange gesucht: Nach heutigen Erkenntnissen ist die Sonne innerhalb weniger Millionen Jahre aus dem Urnebel entstanden. Das ist viel zu schnell für einen Kollaps der Gaswolke allein durch die Schwerkraft. Und auch die Entstehung der Planeten in der rotierenden Gas- und Staubscheibe um die junge Sonne ist überraschend schnell verlaufen.

Seit langem vermuten Astronomen daher, dass Magnetfelder sowohl den Zustrom von Gas auf die entstehende Sonne, als auch die Entstehung der der ersten festen Körper im jungen Sonnensystem beschleunigt haben. Doch bislang war unklar, ob es damals ein ausreichend starkes Magnetfeld gab. Seit über fünfzig Jahren versuchen die Forscher, mithilfe von Meteoriten Informationen über das Magnetfeld in der Entstehungsphase des Sonnensystems zu erhalten. Bislang ohne Erfolg, da die Magnetisierung in den Gesteinsbrocken stets durch spätere Einflüsse stark verändert worden ist.

Fu und seinen Kollegen gelang es nun in einem ersten Schritt zu zeigen, dass sich im Semarkona-Meteoriten die Magnetisierung unverändert erhalten hat: Die magnetische Feldrichtung in den Chondrulen besitzt keine Vorzugsrichtung, wie es bei anderen Meteoriten der Fall ist. „Es gibt dafür keine andere Erklärung, als das hier eine unveränderte Aufzeichnung des primordialen Magnetfelds vorliegt“, so Fu. Denn der Meteorit ist aus vielen kleinen, bereits magnetisierten Körnchen entstanden, die sich zufällig aneinander angelagert haben. Jeder spätere Einfluss hätte dagegen ein geordnetes Magnetfeld erzeugt, so Lu und seine Kollegen.

In einem zweiten Schritt gelang es den Forschern dann, die Feldstärke des ursprünglichen Magnetfelds zu ermitteln: Die Chondrulen sind demnach in einem etwa 54 Mikrotesla starken Magnetfeld entstanden. Das ist hunderttausendmal stärker als das typische magnetische Feld im interstellaren Raum. Damit war es stark genug, um sowohl die Entstehung der Sonne als auch der Planeten vorangetrieben zu haben.