Erste Wetterkarte für einen Braunen Zwerg

Auf dem 6,5 Lichtjahre entfernten Braunen Zwerg Luhmann 16B regnet es Eisen. Das zeigen Beobachtungen eines internationalen Forscherteams mit dem Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte ESO. Den Astronomen gelang es erstmals, eine Art Wetterkarte für ein solches Himmelsobjekt zu erstellen. Braune Zwerge sind zwar massereicher als Planeten, doch auch keine richtigen Sterne: Ihre Masse ist zu gering, um eine dauerhafte Energieerzeugung durch Kernfusion zu ermöglichen. Der Braune Zwerg ist in mehrere Wolkenschichten eingehüllt, die aus Eisen- und Mineralientröpfchen bestehen, schreiben die Wissenschaftler in den Fachblättern „Nature“ und „Astrophysical Journal Letters“.

16 verschiedene kreisförmige Ansichten des Objekts mit unterschiedlichen hellen und dunklen Regionen.
Das Wetter auf Luhmann 16B

„Frühere Beobachtungen haben bereits Hinweise darauf ergeben, dass Braune Zwerge eine gefleckte Oberfläche besitzen sollten“, erläutert Teamleiter Ian Crossfield vom Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg. „Jetzt können wir solch eine Oberfläche direkt kartieren. Bei dem, was wir sehen, dürfte es sich um eine unregelmäßige Wolkendecke handeln, nicht unähnlich der Oberfläche des Planeten Jupiter.“

Die Beobachtungen zeigen, dass das Wettergeschehen auf Braunen Zwergen komplex ist: Die Wolkenstruktur variiert, je nachdem wie tief man in die Atmosphäre blickt. „Wir haben es definitiv mit mehr als einer einzigen Wolkenschicht zu tun“, so Beth Biller von der University of Edinburgh. Wenn hellere und dunklere Wolken ins Blickfeld rotieren und wieder außer Sicht geraten, dann ändert sich auch die Gesamthelligkeit des Braunen Zwergs. Durch gleichzeitige Beobachtung der Helligkeitsveränderungen bei unterschiedlichen Wellenlängen konnten die Astronomen rekonstruieren, was in den unterschiedlichen Atmosphärenschichten des Braunen Zwergs vor sich geht.

„In Zukunft sollten wir dabei zusehen können, wie auf Luhman 16B Wolken neu entstehen, sich entwickeln und wieder verschwinden“, so Crossfield. Irgendwann wäre damit vielleicht sogar eine Art Wettervorhersage für Braune Zwerge möglich. Für menschliche Besucher ist das Wetter auf Braunen Zwergen allerdings eher ungeeignet: Bei Temperaturen von mehr als tausend Grad Celsius fällt aus den Wolken ein Regen aus glühenden Eisentropfen.