Deformierter Stern vor Materiescheibe um ein dunkles Objekt

Schwarzes Loch zerreißt Stern

Das Schwarze Loch im Zentrum einer 800 Millionen Lichtjahre entfernten Galaxie hat einen Stern zerrissen. Darauf deutet ein Strahlungsausbruch hin, den ein internationales Forscherteam zufällig in den archivierten Daten von zwei Satellitenobservatorien aufgespürt hat. Aus dem Verlauf des Ausbruchs schließen die Astronomen, dass das Schwarze Loch etwa die 100 000-fache Masse der Sonne besitzt. Die Beobachtung und Vermessung solcher Ereignisse könnte deshalb zu einem wichtigen Werkzeug bei der Erforschung von Schwarzen Löchern mittlerer Masse werden, so die Wissenschaftler im Fachblatt „Astrophysical Journal“.

„Wir sind zufällig in der Region des Galaxienhaufens Abell 1795 auf das energiereiche Phänomen gestoßen“, berichten Davide Donato vom Goddard Space Flight Center der NASA und seine Kollegen. „Der Ausbruch tauchte erstmals am 27. März 1998 im UV-Bereich auf, seine letzten Anzeichen haben wir im Röntgenbereich in Daten vom 18. Januar 2004 gefunden.“ Donato und seine Kollegen waren in den Archivdaten des Extreme Ultraviolet Explorers und des Röntgensatelliten Chandra auf das Ereignis gestoßen.

Mit mehreren Großteleskopen wie dem Large Binocular Telescope in Arizona nahmen die Forscher den Himmel an der Position des Strahlungsausbruchs unter die Lupe. Und wurden fündig: Am Ort des Ereignisses stießen sie auf eine elliptische Galaxie, die zu dem Galaxienhaufen Abell 1795 gehört. Die Position des Ausbruchs ist in guter Übereinstimmung mit dem Zentrum des Sternsystems. Deshalb sei es die wahrscheinlichste Erklärung, so Donato und seine Kollegen, dass ein Stern von den starken Gezeitenkräften des zentralen Schwarzen Lochs zerrissen worden sei.

Mit rund 100 000 Sonnenmassen ist das Schwarze Loch im Zentrum der Galaxie vergleichsweise klein: Große Galaxien beherbergen Schwarze Löcher mit der millionen- oder gar milliardenfachen Masse der Sonne. Bislang sind nur wenige Beispiele für Schwarze Löcher mittlerer Masse – zwischen den supermassereichen und den stellaren Schwarzen Löchern gelegen – bekannt. „Strahlungsausbrüche durch Ereignisse wie dieses könnten nützlich sein, Schwarze Löcher mittlerer Masse zu untersuchen“, so die Forscher, „denn das ist mit anderen Methoden bislang sehr schwierig.“ Donato und seine Kollegen regen daher eine gezielte Überwachung von Galaxienhaufen im Röntgenbereich an, um solche Ereignisse vermehrt aufzuspüren.