Der Bildhintergrund zeigt Sterne, im Vordergrund ein Weltraumteleskop. Rechts davon sind Erde und Mond zu erkennen. In der linken oberen Bildecke ist ein Planetensystem dargestellt, bei dem die Planetenbahnen vor dem Stern entlang laufen.

Kepler: Erfolgreicher Planetenjäger vor dem Aus

132 neue Planeten bei anderen Sternen hat das Kepler-Teleskop aufgespürt, über 2700 Kandidaten warten noch auf ihre Bestätigung. Doch nun scheint die Mission des erfolgreichen Planetenjägers am Ende zu sein. Wie die amerikanische Weltraumbehörde NASA gestern mitteilte, ist am Dienstag der zweite von insgesamt vier Steuerkreiseln ausgefallen. Damit lässt sich das Teleskop nicht mehr ausrichten und die bisherigen Beobachtungen können nicht weiter fortgesetzt werden. Zwar haben die Experten der NASA noch nicht ganz aufgegeben, doch bislang weigert sich das Gyroskop, seinen Betrieb wieder aufzunehmen. Für die Astronomen gibt es einen Trost: Zahlreiche Daten des Teleskops warten noch auf ihre Auswertung – es ist also noch mit der Entdeckung weitere Exoplaneten durch Kepler zu rechnen.

Darstellung des Kepler-11-PlanetensystemsKepler: Die Suche nach Exoplaneten
Bilderstrecke: Die bisherigen Ergebnisse von Kepler

Das im März 2009 gestartete Weltraumteleskop hat über 150.000 Sterne auf winzige Helligkeitsschwankungen überwacht. Periodische Änderungen der Sternhelligkeit können die Anwesenheit eines Planeten verraten, wenn dieser auf seiner Bahn von der Erde aus gesehen regelmäßig vor dem Stern vorüberzieht und ihn so geringfügig verdunkelt. Aus der Stärke der Helligkeitsänderung können die Astronomen dann unmittelbar die Größe des Planeten bestimmen. Erst vor einem Monat hatten Astronomen die Entdeckung möglicherweise erdähnlicher Planeten mit Kepler gemeldet: Kepler-62e und 62f sind 1,4-mal und 1,6-mal so groß wie die Erde und ziehen ihre Bahn in der lebensfreundlichen Zone ihres Sterns – also dort, wo flüssiges Wasser auf der Oberfläche möglich ist. Damit sind diese beiden Exoplaneten die bislang aussichtsreichsten Kandidaten für Planeten, auf denen Leben möglich ist. Die Forscher hoffen, dass sich in den Kepler-Daten noch viele weitere erdähnliche Welten verbergen.

Ausgestattet mit einem Teleskop mit 1,4 Metern Spiegeldurchmesser und 0,95 Metern freier Öffnung hat Kepler die Helligkeit der Sterne in einem 105 Quadratgrad großen Himmelsgebiet im Sternbild Schwan überwacht. Zur Lagekontrolle ist das Satelliten-Observatorium mit vier Gyroskopen ausgestattet. Bereits im Juli 2012 war einer dieser Steuerkreisel ausgefallen, ein zweiter zeigte bereits seit einigen Monaten Störungen. Der Ausfall des zweiten Gyroskops kam also für die NASA nicht ganz unerwartet. Für eine vollständige Lagekontrolle sind drei Gyroskope nötig. Trotzdem wollen die Experten untersuchen, ob mit zwei Steuerkreiseln künftig noch eingeschränkte wissenschaftliche Beobachtungen möglich sind.