Hundert der produktivsten Galaxien genauer lokalisiert

Mit dem Teleskopverbund ALMA (Atacama Large Millimeter/ Submillimeter Array) ist es Wissenschaftlern gelungen, über hundert Galaxien sehr genau zu orten. Dabei stellten sie fest, dass bei älteren Messungen viele der Sternsysteme nicht korrekt charakterisiert wurden. So interpretierte man beispielsweise mehrere Galaxien als nur eine einzige. Die neuen Ergebnisse veröffentlichten die Astronomen in zwei Artikeln in den Zeitschriften „Astrophysical Journal“ und „Monthly Notices of the Royal Astronomical Society“.

Die Forschungsgruppe um Alexander Karim von der Durham University schaltete 15 der 66 ALMA-Antennen auf einer Hochebene in der chilenischen Atacamawüste zu einem riesigen Radioteleskop zusammen: Der Aufbau verhielt sich wie ein einziges Teleskop mit einem Durchmesser von 125 Metern. Dadurch konnten die Astronomen eine als Extended Chandra Deep Field South bekannte Himmelsregion mit einer mehr als zehnmal höheren Auflösung als bisher durchmustern.

Sechs Galaxien sind in den Bildern von ALMA zu sehen. Sie überlagern alte Aufnahmen, sodass deutlich wird, dass die neuen Bilder genauer zeigen, wo Galaxien sind.
Neu geortete Galaxien

Die neuen Daten zeigen, dass frühere Aufnahmen in einem Punkt oft falsch lagen: „Vorher sah es so aus, als würden sich in den hellsten dieser Galaxien mehr als tausendmal schneller neue Sterne bilden als in unserer Heimatgalaxie, der Milchstraße. Bei solchen Sternentstehungsraten wären die betreffenden Galaxien Gefahr gelaufen, sich regelrecht auseinanderzusprengen. Jetzt haben die ALMA-Bilder dort, wo wir einzelne, hyperaktive Galaxien vermutet hatten, jeweils gleich mehrere kleinere Galaxien gezeigt – jeweils mit merklich moderaterer Sternentstehungsaktivität“ erklärt Karim. Jacqueline Hodge vom Max-Planck-Institut für Astronomie ergänzt, dass bisherige Versuche, die Galaxien richtig zu identifizieren, in etwa einem Drittel der Fälle falsch lagen. Die neuen Beobachtungen mit ALMA konnten nun einige dieser Irrtümer aufklären.

Die untersuchten Galaxien sind im sichtbaren Licht nicht zu beobachten, da sie oft durch eine Staubwolke verborgen sind. Dieser Staub wird vor allem von massereichen Sternen produziert, die in der Riesenphase ihre äußere Hülle ausdehnen und dann explosionsartig ins All schleudern. Die Strahlung im Submillimeterbereich kann den Staub jedoch durchdringen.