Aktive Radiogalaxie als Hintergrundbeleuchtung

Ein internationales Forscherteam hat eine neue Methode zur Untersuchung der Magnetfelder von Galaxien angewendet und dabei entdeckt, dass eines der beobachteten Objekte nicht wie bis bisher angenommen aus einer einzelnen Galaxie besteht, sondern aus zwei weit voneinander entfernten Galaxien. Diese stehen zufällig so hintereinander, dass sie bisher nicht voneinander unterschieden werden konnten. Die von der Hintergrundgalaxie ausgehende Radiostrahlung erlaubt detaillierte Einblicke in die nähere Galaxie, die ansonsten nicht möglich wären. Ihre Resultate veröffentlichten die Forscher im „Astronomical Journal“.

Mit dem Karl G. Jansky Very Large Array (JVLA), einem aus 27 Radioantennen bestehenden Teleskop im US-amerikanischen New Mexico, haben die Wissenschaftler 35 Galaxien, darunter auch die gut hundert Millionen Lichtjahre entfernte Spiralgalaxie UGC 10288, vermessen. Dabei fiel ihnen erstmals eine weitere Galaxie in wesentlich größerer Entfernung auf, die starke Radiostrahlung aussendet und entlang der Sichtlinie fast genau hinter UGC 10288 liegt. In früheren Radiobildern konnten die beiden Galaxien nicht voneinander unterschieden werden, sondern wurden als ein einzelnes Objekt identifiziert. Die neuen Aufnahmen zeigen, dass UGC 10288 in wesentlich geringerem Ausmaß neue Sterne entstehen lässt als vorher angenommen, da der überwiegende Teil der Radiostrahlung tatsächlich von der von nahezu sieben Milliarden Lichtjahre entfernten Hintergrundgalaxie stammt.

Dunkler Hintergrund mit vereinzelten leuchtenden Pünktchen, bei denen es sich um weit entfernte Sterne handelt. In der Mitte ein verschmierter Streifen: die Seitansicht einer Spiralgalaxie. Etwa mittig davon ragt ein kleiner (andersfarbiger) „Arm“ aus der Streifen, der zu einer Hintergrundgalaxie gehört.
Aufnahme der Spiralgalaxie UGC 10288


Die Hintergrundgalaxie und speziell die Tatsache, dass ihre Radiojets nahezu senkrecht zur Scheibe von UGC 10288 angeordnet sind, ermöglichen eine besondere Methode zur Untersuchung der nähergelegenen Galaxie. „Die Anwendung der weiter entfernten Galaxie als Hintergrundbeleuchtung ermöglicht uns die Bestimmung des Magnetfelds in unterschiedlichen Bereichen dieser Galaxie”, erläutert Marita Krause vom Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn. „Durch die vertikale Ausrichtung der aktiven Radiogalaxie im Hintergrund können wir das Magnetfeld von UGC 10288 von der Ebene aus bis in hoch darüber gelegene Regionen bestimmen.“ Die Forscher haben dabei das Magnetfeld mit Hilfe der Faraday-Rotation gemessen, bei der die Polarisationsebene der Radiostrahlung von der Hintergrundgalaxie durch das Magnetfeld der Vordergrundgalaxie gedreht wird.



„Ironischerweise war es sogar so, dass die Radiohelligkeit von UGC 10288 alleine gar nicht ausgereicht hätte, sie in unsere Liste von 35 Galaxien aufzunehmen. Erst die zusätzliche Radiostrahlung der Hintergrundgalaxie machte sie dafür hell genug“, schließt Krauses Kollege Rainer Beck. “Und damit hätten wir beinahe eine exzellente Gelegenheit für eine Magnetfeldbestimmung verpasst.”