Sternentstehungsgebiet mit künstlerischer Darstellung der Zuckermoleküle

Zucker im All

Kopenhagen/Århus (Dänemark) – Astronomen haben erstmals Glycolaldehyd – einfache Zuckermoleküle – in der unmittelbaren Umgebung eines jungen, sonnenähnlichen Sterns beobachtet. Die aus Kohlenstoff, Sauerstoff und Wasserstoff aufgebauten Moleküle sind etwa zwanzig Mal so weit von dem Stern entfernt wie die Erde von der Sonne und fallen langsam in das dort vermutlich entstehende Planetensystem hinein. Die im Fachblatt „Astrophysical Journal Letters“ präsentierte Entdeckung stärkt damit die Hypothese, dass die ersten Lebensbausteine bereits im All entstehen und von dort auf junge Planeten herab regnen.

„Das Aufregende an unserer Entdeckung ist, dass die Zuckermoleküle auf den Stern zufallen“, sagt Cecile Favre von der Universität Århus in Dänemark. „Die Zuckermoleküle sind also nicht nur am richtigen Ort, um den Weg zu einem Planeten zu finden, sondern sie bewegen sich auch noch in die richtige Richtung. Favre und ihre Kollegen haben das Glycolaldehyd mit der Radioteleskop-Anlage ALMA der Europäischen Südsternwarte ESO in Chile bei dem 400 Lichtjahre entfernten Doppelstern IRAS 16293-2422 entdeckt. Der Hauptstern des jungen, in der Sternentstehungsregion Rho Ophiuchi eingebetteten Systems besitzt etwa die gleiche Masse wie unsere Sonne.

Die großen Gaswolken, aus denen Sterne entstehen, sind zunächst sehr kalt. Bei einer Temperatur von zehn Grad über dem absoluten Nullpunkt lagern sich einfache Gase wie Kohlenmonoxid und Methan auf winzigen Staubkörnchen an, können dort in Kontakt zueinander geraten und so sukzessive komplexere Moleküle bilden. Die Strahlung der jungen Sterne erhitzt dann die umgebende Gas- und Staubwolke und verdampft so einen Teil der Moleküle – dadurch werden sie im kurzwelligen Radiobereich für Teleskope wie ALMA sichtbar.

„Die große Frage ist: Wie komplex können die Moleküle werden, bevor sie von Planeten aufgenommen werden?“, so Jes Jørgensen vom Niels Bohr Institut in Kopenhagen. „Die Antwort darauf kann uns etwas darüber erzählen, wie Leben woanders entstehen könnte. Beobachtungen mit ALMA sind entscheidend bei der Lösung dieses Rätsels.“