Planetenkollision vor Weißem Zwerg

Weiße Zwerge nehmen Trümmer erdähnlicher Planeten auf

Coventry (Großbritannien)/Kiel – Ein Team von Astronomen hat vier Weiße Zwergsterne entdeckt, die gerade dabei sind, die Trümmer erdähnlicher Planeten in sich aufzunehmen. Die Atmosphären der Sterne sind mit Elementen angereichert, die der chemischen Zusammensetzung der Erde entsprechen. Das zeigen Beobachtungen mit dem Weltraumteleskop Hubble, über die die Forscher im Fachblatt „Monthly Notices of the Royal Astronomical Society“ berichten.

„Was wir bei diesen mehrere hundert Lichtjahre entfernten Weißen Zwergen sehen, könnte genauso gut ein Schnappschuss der fernen Zukunft unserer Erde sein“, erklärt der Leiter des Teams, Boris Gänsicke von der University of Warwick im britischen Coventry. Wenn die Sonne in fünf Milliarden Jahren ihren Wasserstoffvorrat verbraucht hat, bläht sie sich zunächst zu einem Roten Riesen auf – die inneren Planeten Merkur und Venus werden dabei verglühen, während die Erde vermutlich überdauert. Dann stößt die Sonne einen Teil ihrer Außenschichten ab und schrumpft zu einem Weißen Zwerg.

Dabei geraten die Umlaufbahnen der verbliebenen Planeten kräftig durcheinander. „Ganze Planeten werden dabei zertrümmert“, so Gänsicke. Zurück bleiben Bruchstücke und Staub mit der gleichen chemischen Zusammensetzung wie die zerstörten Himmelskörper. Diese Trümmer fallen in den Weißen Zwerg und hinterlassen so ihre Spuren in der Atmosphäre des Sterns. Gänsicke und seine Kollegen von den Universitäten Warwick und Kiel haben Sauerstoff, Magnesium, Eisen und Silizium in der Atmosphäre der vier Zwergsterne nachgewiesen – die Erde besteht zu 93 Prozent aus diesen vier Elementen.

Die Atmosphäre eines Weißen Zwergs besteht normalerweise überwiegend aus Wasserstoff und Helium. Schwere Elemente sinken deshalb innerhalb von Tagen in das Innere des Sterns ab. Die Astronomen beobachten die Sterne also tatsächlich während der finalen Phase, in der die Trümmer der ehemaligen Planeten in sie hineinfallen. Eine Million Kilogramm Planetenmaterie müssen in jeder Sekunde auf die Sterne herabregnen, um die Beobachtungen zu erklären, haben die Wissenschaftler berechnet.