Planet, der durchs Weltall rast

Schwarzes Loch beschleunigt Planeten

Hanover (USA) – Das supermassereiche Schwarze Loch im Zentrum unserer Galaxie kann nicht nur Sterne verschlingen, es kann auch Sterne mit hoher Geschwindigkeit hinaus schleudern. Was aber passiert mit Planeten, die solche Sterne umkreisen? Diese Frage konnten drei Forscher jetzt mithilfe umfangreicher Computersimulationen beantworten. Viele der Planeten werden den Sternen entrissen und als einsame Wanderer mit extremen Geschwindigkeiten in die Weiten des Kosmos geschleudert. Die Wissenschaftler präsentieren die Ergebnisse ihrer Berechnungen im Fachblatt „Monthly Notices oft he Royal Astronomical Society“.

„Abgesehen von subatomaren Teilchen gibt es nichts, was unsere Milchstraße mit derart hohen Geschwindigkeiten verlässt wie diese Planeten-Ausreißer“, sagt Idan Ginsburg vom Dartmouth College in Hanover im US-Bundesstaat New Hampshire, einer der drei Astrophysiker. Vor sieben Jahren waren Astronomen erstmals auf Sterne gestoßen, die mit Geschwindigkeiten von über zwei Millionen Kilometern pro Stunde aus der Milchstraße heraus rasen.

Rasch war eine Erklärung für das Phänomen gefunden. Nähert sich ein Doppelstern zu sehr dem supermassereichen Schwarzen Loch im Herzen der Milchstraße, so reißt die starke Schwerkraft die beiden Sterne auseinander. Während der eine von ihnen in eine Umlaufbahn um das Schwarze Loch gezwungen wird, beschleunigt die Wechselwirkung den anderen auf eine so hohe Geschwindigkeit, dass er nicht nur dem Schwarzen Loch entkommen, sondern schließlich sogar die Galaxis ganz und gar verlassen kann.

Das Schicksal von Planeten, die solche Sterne umkreisen, hängt von ihren ursprünglichen Umlaufbahnen ab. Sie können in das Schwarze Loch fallen und dort einen kurzen Strahlungsausbruch auslösen. Manche stoßen mit ihrem Stern zusammen und reichern ihn so mit schweren Elementen an. Planeten auf engen Umlaufbahnen können auch an den Stern gebunden bleiben – diese Himmelskörper könnten von den Astronomen sogar von der Erde aus aufgespürt werden, wenn sie auf ihrer Umlaufbahn regelmäßig vor ihrem Stern vorüberziehen und ihn dadurch ein wenig verdunkeln. Viele der Planeten werden aber, so zeigen die Simulationen von Ginsburg und seinen Kollegen, ihren Sternen entrissen und von der Schwerkraft des Schwarzen Lochs beschleunigt. Im Mittel liegen ihre Geschwindigkeiten im Bereich von bis zu zehn Millionen Kilometern pro Stunde. In Einzelfällen können sie aber auch noch erheblich größer sein. Leider, so die Forscher, gäbe es mit den heute existierenden Teleskopen und Detektoren keine Möglichkeit, diese Hochgeschwindigkeits-Planeten aufzuspüren.