Astronomen finden Leben – auf der Erde

Garching/La Laguna-Teneriffa (Spanien) – Astronomen der Europäischen Südsternwarte ESO haben den Mond beobachtet – und dabei Leben auf der Erde entdeckt. Im sogenannten aschgrauen Mondlicht konnten die Forscher die Existenz von Ozeanen, wechselnder Bewölkung und sogar Vegetation nachweisen. Das Verfahren könnte künftig dabei helfen, auch anderswo im Kosmos Leben aufzuspüren, so die Wissenschaftler im Fachblatt „Nature“.

„Unsere Chancen, Leben außerhalb unseres Sonnensystems zu finden, hängen von zwei Faktoren ab“, erläutert Enric Palle vom Instituto de Astrofisica de Canarias auf Teneriffa, einer der beteiligten Astronomen. „Erstens natürlich davon, ob solches Leben überhaupt existiert, und zweitens davon, ob wir die technischen Fähigkeiten besitzen, solches Leben nachzuweisen. Diese Studie ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg hin zu den nötigen technischen Fähigkeiten.”

Palle und seine Kollegen haben mit dem Very Large Telescope der ESO die Farbe und den Polarisationsgrad des aschgrauen Mondlichts untersucht. Dabei handelt es sich um Licht der Erde, das auf die dunkle Seite des Mondes fällt. Die Beobachtungen zeigen, dass die Erde teilweise von Wolken bedeckt ist, dass ein Teil der Erdoberfläche aus Ozeanen besteht, und – als entscheidenden Nachweis für Leben – dass auf unserem Planeten Vegetation existiert. Es gelang den Forschern sogar, Unterschiede im Bewölkungsgrad und im Ausmaß der Vegetation nachzuweisen, je nachdem, von welchen Teilen der Erdoberfläche das in Richtung Mond reflektierte Licht jeweils stammt.

Das aschgraue Mondlicht, auch als Erdschein bezeichnet, ist bereits mit bloßen Augen leicht zu sehen und bietet im Fernglas einen spektakulären Anblick. Am besten lässt es sich beobachten, wenn der Mond etwa drei Tage vor oder nach Neumond als schmale Sichel erscheint. Neben der hellen Sichel ist dann auch der Rest der Mondscheibe sichtbar, schwach beleuchtet durch die zu jenem Zeitpunkt vom Mond aus gesehen hell am Himmel stehende Erde.

Die Astronomen der ESO haben im Erdschein auch nach eindeutigen Anzeichen für organisches Leben gesucht, etwa nach bestimmten Häufigkeiten von Gasen in der Erdatmosphäre. Solche Biosignaturen – Fingerabdrücke des Lebens – lassen sich mit herkömmlichen Methoden nur schwer aufspüren. Das Team setzte daher erstmals ein neues, empfindlicheres Verfahren ein, bei dem nicht nur die Intensität des reflektierten Lichts bei verschiedenen Wellenlängen, sondern auch seine Polarisation untersucht wird. Mit dieser „Spektropolarimetrie“ konnten die Forscher eindeutig Biosignaturen im Erdschein nachweisen. Die Astronomen wollen die Methode künftig auch für die Suche nach Leben auf Planeten bei anderen Sternen einsetzen.