Nebel

Warum sind beheizte Räume im Winter so trocken?

Der Winter ist nicht nur kalt, sondern auch trocken - zumindest im warmen Zimmer. Der Grund: Die kalte Luft, die von draußen kommt, enthält kaum Wasserdampf.

Das ist ja wie in der Sahara hier! Das Phänomen kennt jeder: Sobald es draußen so kalt wird, dass man die Heizung anstellen muss, herrscht im Zimmer Wüstenklima - die Schleimhäute trocknen aus, die Haare laden sich elektrisch auf und stehen störrisch ab.

Wasserfreundliche Wärme

Nehmen Sie an, Sie öffnen das Fenster, lassen die frostige Außenluft hinein, schließen das Fenster wieder und stellen die Heizung an. Was passiert? Zunächst einmal erwärmt der Heizkörper die Luft, aber zugleich wird sich die Luft auch immer trockener anfühlen. Das liegt nicht daran, dass Wasser verloren ginge – in der erwärmten Luft ist immer noch die gleiche Menge Wasser enthalten wie in der kalten. Aber warme Luft kann viel mehr Wasser in sich aufnehmen. Dies führt dazu, dass Feuchtigkeit schneller verdampft und Sie einen trockenen Mund und eine trockene Nase bekommen. Selbst wenn draußen Nebel – also sehr feuchte Luft – bei 1 Grad Celsius herrscht, wirkt die Luft nach der Erwärmung durch die Heizung auf 20 Grad Celsius sehr trocken.

Foto. Nebel über einem See.
Bei Nebel ist Luft überwässert

Dass warme Luft mehr Wasser aufnehmen kann als kalte, hängt mit der Geschwindigkeit der Wassermoleküle zusammen. Mit zunehmender Temperatur steigt auch die durchschnittliche Geschwindigkeit der Wassermoleküle und an der Oberfläche zwischen Wasser und Luft können sich mehr Wassermoleküle aus dem Wassermolekülverband lösen. Nimmt die Temperatur ab, so werden mehr Wassermoleküle eingefangen als an die Luft gesetzt und der Wassergehalt verringert sich.

Es hängt also von der Temperatur ab, wie viel Wasser maximal aufgenommen werden kann. Wie viel von diesem Maximalwert dabei erreicht wurde, beschreibt die so genannte relative Luftfeuchte. Bei Nebel beträgt sie 100 Prozent: Die Luft enthält in diesem Fall mehr Wasserdampf, als sie aufnehmen kann, und es bilden sich Wassertröpfchen. Absolute Trockenheit entspricht hingegen einer relativen Luftfeuchte von 0 Prozent. Die Luft in der Wüste besitzt eine relative Feuchte von 10 bis 30 Prozent. Im Hochwinter kann man in Innenräumen manchmal sogar Werte unter 10 Prozent messen.

Abhilfe

Häufiges Lüften hilft übrigens gegen die trockene Zimmerluft nicht. Im Gegenteil! Dadurch würde man ja immer wieder wasserarme Luft in das Innere der Häuser nachführen. Die einzige Lösung besteht darin, die Luft in den beheizten Räumen anzufeuchten – sei es mit Hilfe von Zimmerpflanzen oder mit technischen Geräten.

Eine extreme Ausprägung des winterlichen Effekts kann man übrigens auf Langstreckenflügen beobachten: Die Luft, die dabei ins Kabineninnere geleitet wird, ist beinahe wasserfrei, denn draußen herrschen Temperaturen unter minus 50 Grad. Darum heißt es auf solchen Flügen stets: Trinken, trinken, trinken!

Relative Luftfeuchte im Detail

Relative Luftfeuchte im Detail

Infografik. Steil aufsteigende Kurve in einem x-y-Koordinatensystem. Auf der x-Achse Temperatur in Grad Celsius. Auf der y-Achse maximaler Wassergehalt in Gramm pro Kubikmeter.
Maximaler Wassergehalt in Luft je nach Temperatur

Wie viel Wassermoleküle sich in der Luft über einer Wasseroberfläche befinden, hängt davon ab, wie viele Moleküle verdampfen (Verdunstungsrate) und wie viele wieder kondensieren (Kondensationsrate). Wenn sich an äußeren Eigenschaften wie Temperatur und Druck nichts ändert, so erreicht das System einen Gleichgewichtszustand, bei dem genauso viele Teilchen verdunsten wie kondensieren.

Wie die maximale Wassermenge, die von der Luft aufgenommen werden kann, mit der Temperatur zusammenhängt, kann mit Hilfe der kinetischen Gastheorie berechnet werden. Die maximale Wassermenge nimmt dabei mit der Temperatur steil zu.