Giottos Gemälde

Was war der Stern von Bethlehem?

Es gibt viele Versuche, den Stern von Bethlehem mit natürlichen Himmelserscheinungen zu erklären. War es ein Komet? Oder vielleicht eine Supernova, also ein explodierender Stern? Viele Forscher halten heute eine mehrfache Begegnung von zwei hellen Planeten am Himmel für die wahrscheinlichste Erklärung. Vielleicht ist der Stern von Bethlehem aber auch nur ein Symbol ohne realen Hintergrund.

„Und der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen.“

So steht es geschrieben im Matthäusevangelium. Ein Stern kündete von der Geburt eines neuen Königs in Judäa - und zeigte den Weisen aus dem Morgenland den Weg zur Krippe Jesu Christi.

Schon im frühen Christentum suchten die Menschen nach einer Erklärung für den Stern von Bethlehem. So vertrat der Kirchenschriftsteller und Theologe Origenes (185–254) im dritten Jahrhundert die Ansicht, es habe sich um einen Kometen gehandelt. Diese Vorstellung ist bis heute populär geblieben und hat sich vor allem im Volksglauben erhalten – auf Bildern wird der Weihnachtsstern zumeist mit einem Schweif dargestellt. Doch es gibt außerhalb der Bibel keine einzige Quelle, die von einem großen Kometen in den Jahren um Christi Geburt berichtet - ein auffälliger Schweifstern wäre den damaligen Astronomen wohl kaum entgangen. Zudem galten Kometen historisch eher als Boten des Unheils und nicht als Überbringer froher Botschaften.

Keplers Irrtum

Zu sehen ist die Anbetung des Jesuskinds durch die Heiligen Drei Könige. Jesus, Maria und Joseph befinden sich unter einer Überdachung. Oberhalb des Dachs ist ein kometenähnliches Objekt zu erkennen.
Der Stern von Bethlehem über der Krippe

Im Jahre 1604 entdeckte der deutsche Mathematiker und Astronom Johannes Kepler (1571–1630) einen neuen Stern am Himmel. Heute wissen wir, dass es sich dabei um eine Supernova, einen explodierten Stern gehandelt hat – doch Kepler konnte sich diese Erscheinung nicht erklären. Er sah sie im Zusammenhang mit einer engen Begegnung der Planeten Jupiter und Saturn, die wenige Monate zuvor unweit des neuen Sterns stattgefunden hatte. Seine Hypothese: Die Planetenkonjunktion habe den neuen Stern hervorgebracht – und etwas Ähnliches sei auch bei Christi Geburt geschehen: Auch damals seien sich Saturn und Jupiter begegnet und ein neuer Stern sei entstanden.

Planetenreigen

Darin hatte Kepler sich zwar geirrt – zwischen Planetenkonjunktionen und Sternexplosionen gibt es keinerlei Zusammenhang. Aber eine Begegnung zwischen Jupiter und Saturn hat es zu der fraglichen Zeit tatsächlich gegeben. Gleich dreimal zogen die beiden Planeten im Jahr 7 v. Chr. nahe aneinander vorüber – eine ungewöhnliche und seltene Himmelserscheinung. In der babylonischen Astrologie stand Jupiter für den höchsten Gott und Saturn für den König von Israel. Da erscheint es durchaus möglich, dass die damaligen Sterndeuter in dem Ereignis die Ankündigung der Geburt eines mächtigen Königs der Juden sahen.

Diese Erklärung ist derzeit überaus populär und wird von vielen Forschern als die wahrscheinlichste angesehen. Doch auch sie hat ihre Schwächen. Die beiden Planeten standen nach heutigen Berechnungen bei ihren Begegnungen am Himmel niemals so nahe beieinander, dass sie nicht noch mit bloßem Auge als zwei getrennte Gestirne zu erkennen gewesen wären. In der Bibel ist aber stets nur von einem Stern die Rede. Zudem gab es in der fraglichen Zeit noch eine weitere auffällige Konjunktion: In den Jahren 3 und 2 v. Chr. begegneten sich Venus und Jupiter – die zweite Begegnung war sogar so eng, dass beide Planeten für den Betrachter zu einem Stern verschmolzen. Könnte nicht auch diese Konjunktion der Weihnachtsstern gewesen sein?

Nur ein Symbol?

Und schließlich besteht auch die Möglichkeit, dass es sich beim Stern von Bethlehem lediglich um ein symbolisches Motiv ohne realen Hintergrund handelt. Im vierten Buch Mose steht die Weissagung „Es wird ein Stern aus Jakob aufgehen und ein Zepter aus Israel aufkommen“ über die Ankunft des Messias als Retter Israels. Für den Evangelisten Matthäus sind Rückbezüge auf biblische Verheißungen durchaus typisch. Es kann also sein, dass er den Stern von Bethlehem als Symbol für den wahren Retter Israels verwendet hat und nicht als Beschreibung eines wahren Naturphänomens.