Sonnenfinsternisbrille (flickr, Erwyn van der Meer, CC-by-nc-nd)

Wie kann man gefahrlos die Sonne beobachten?

Ob die Beobachtung von Sonnenflecken, einer Sonnenfinsternis oder eines Merkurdurchgangs vor der Sonne – das Problem ist stets dasselbe: Die Sonne strahlt viel zu hell für eine direkte Beobachtung. Schon ein kurzer Blick mit bloßen Augen in die grelle Sonne reicht aus, um ein lang anhaltendes Nachbild auf der Netzhaut zu hinterlassen. Und schon der Blick durchs Fernglas schädigt die Augen irreparabel!

Wer länger in die Sonne schaut, riskiert bleibende Schäden. Und der ungeschützte Blick mit einem Fernglas oder Fernrohr in die Sonne kann in kürzester Zeit zur Erblindung führen. Die Beobachtung der Sonne erfordert deshalb besondere Hilfsmittel und Schutzmaßnahmen.

Die Scheibe der Sonne ist zum Teil von einer dunklen Scheibe abgedeckt.
Sonnenfinsternis

Auch rußgeschwärzte Scheiben, zwei übereinander gelegte Sonnenbrillen-Gläser oder teildurchlässige Kunststoff-Folien bieten keinen ausreichenden Schutz. Für einen kurzen Blick mit bloßen Augen mag es reichen, doch bei längerer Beobachtung droht auch hier Gefahr. Denn solche Behelfsfilter dämpfen zwar das sichtbare Licht, lassen aber die Wärmestrahlung und zum Teil auch die ultraviolette Strahlung der Sonne ungehindert durch – und gerade diese Strahlung brennt dem Beobachter ein Loch in die Netzhaut.

Die sichere Wahl: Filterfolie

Im Fachhandel sind spezielle Sonnenfilter-Folien erhältlich, die nicht nur die Helligkeit im optischen Bereich ausreichend dämpfen – meist um den Faktor 100.000 –, sondern auch vor der Wärmestrahlung und der UV-Strahlung schützen. Diese Folien finden auch in den "Finsternisbrillen" Verwendung, die sich bei Sonnenfinsternissen großer Beliebtheit erfreuen. Nicht geeignet ist übrigens die Rettungsfolie aus dem Erste-Hilfe-Koffer: Sie ist nicht dicht genug und lässt – ähnlich wie die rußgeschwärzten Glasplatte – viele schädliche Bestandteile durch.

Das Bild zeigt die Scheibe der Sonne, auf der mehrere Gruppen dunkler Flecke zu erkennen sind.
Sonne mit Sonnenflecken

Bei der Sonnenbeobachtung mit einem Fernglas oder Teleskop muss ein Filter aus solcher Spezialfolie unbedingt vor dem Objektiv des Geräts angebracht werden. Die durch das Objektiv gebündelte Strahlung würde einen im Okularbereich angebrachten Filter schnell zerstören! Im Handel sind sowohl fertige Objektivfilter zum Aufstecken als auch große Folien zum Filter-Selbstbau erhältlich.

Beim Selbstbau eines Schutzfilters ist Sorgfalt gefragt – die Folie darf nicht beschädigt werden und der Filter muss fest am Gerät angebracht sein. Denn wenn beispielsweise ein Windstoß während der Beobachtung die Folie vom Fernrohrobjektiv reißen sollte, wird es in Sekundenbruchteilen gefährlich für das Auge des Beobachters.

Entschieden abzuraten ist von der Verwendung so genannter Okular-Sonnenfilter, wie sie teilweise von den Herstellern einfacher Hobby-Fernrohre mitgeliefert werden. Diese dunklen Glasfilter sitzen nahezu exakt im Brennpunkt des Teleskops, heizen sich schnell auf und können dann platzen.

Eine Alternative: Projektion

Insbesondere wenn mehrere Personen gleichzeitig das Bild der Sonne betrachten wollen, bietet sich als Alternative die Projektionsmethode an. Dabei projiziert die Fernrohroptik das Bild der Sonne vergrößert auf eine weiße Fläche. Kleine Hobbyfernrohre sind oft mit Projektionsschirmen ausgestattet, die direkt am Teleskop befestigt werden können. Wichtig ist, dass die Projektionsfläche im Schatten liegt, da sonst der Kontrast des Sonnenbilds zu gering ist.

Ein Ausschnitt der Sonne ist zu sehen, über den sich eine Reihe kleiner schwarzer Scheibchen zieht.
Merkurdurchgang vor der Sonne

Im Prinzip kann man die Projektionsmethode natürlich auch bei einem auf einem Stativ montierten Fernglas anwenden. Vorsicht ist allerdings geboten, wenn das Fernglas teilweise aus Kunststoff besteht – die durch das Objektiv gebündelte Sonnenstrahlung kann dann zu Schäden am Gerät führen.

Generell muss bei der Beobachtung der Sonne mit der Projektionsmethode das Gerät stets beaufsichtigt werden. Denn sonst besteht die Gefahr, dass beispielsweise ein neugieriges Kind oder auch ein mit der Methode nicht vertrauter Erwachsener versehentlich doch durch das Okular direkt in die Sonne schaut.

Keine Finsternis, wenig Flecken

Sind alle nötigen Vorsichtsmaßnahmen getroffen, so steht einer Beobachtung der Sonne nichts mehr im Wege. Leider hat die Sonne derzeit allerdings recht wenig zu bieten: Erst 2011 ist von Deutschland aus wieder eine Sonnenfinsternis zu beobachten, der nächste Merkurdurchgang findet 2016 statt. Und die Sonnenaktivität durchläuft derzeit gerade ihr Minimum, so dass nur wenige Sonnenflecken zu sehen sind. Wenn jedoch Sonnenflecken auftauchen, bieten sie dem Hobbyastronomen mit ihrem rasch veränderlichen Aussehen und ihrer Bewegung durch die Sonnenrotation (Rotationsdauer rund 27 Tage) ein spannendes Beobachtungsfeld.