Europa

Gibt es außerirdisches Leben?

Für unsere Vorfahren war der Himmel Wohnort von Göttern, heute suchen wir nach Leben auf anderen Planeten. Es scheint eine kollektive Sehnsucht danach zu geben, dass der Mensch nicht allein ist in den unermesslichen Weiten des Kosmos.

Auf der Erde sind die ersten primitiven Lebensformen vor etwa 3,9 Milliarden Jahren entstanden. Bis dahin war die Erde noch einem heftigen Bombardement kosmischer Trümmerstücke ausgesetzt, erst danach konnte die Oberfläche langsam abkühlen. Regen fiel, erste Ozeane bildeten sich – und fast sofort entstanden nach heutigen Erkenntnissen auch die ersten einzelligen Lebensformen. Daraus ziehen heute viele Forscher den Schluss, dass Leben – zumindest primitives Leben – mit Leichtigkeit entsteht, wenn nur die richtigen Bedingungen herrschen.

Bakterien auf Mars und Venus?

In der Frühzeit des Sonnensystems könnte deshalb nicht nur auf der Erde, sondern auch auf unseren Nachbarplaneten Mars und Venus Leben entstanden sein. Auf der Oberfläche beider Planeten hat es nach heutigen Erkenntnissen vor Milliarden von Jahren offenes Wasser gegeben. Bakterien könnten vielleicht sogar unter der Oberfläche im Marsboden oder hoch in den Wolken der Venus bis heute überlebt haben.

Im Vordergrund sind Teile eines Viking-Landers zu sehen, unter anderem eine Antenne. Im Hintergrund sieht man die mit Geröll übersäte rote Landschaft des Mars mit einem ebenfalls rötlichen Himmel.
Viking auf dem Mars

Einen ersten Versuch, Leben auf dem Mars nachzuweisen, unternahm die amerikanische Raumfahrtbehörde Nasa 1971 mit den beiden Viking-Sonden. Doch die Interpretation der Ergebnisse ist bis heute umstritten: Während ein Experiment biologische Aktivität anzeigte, fand ein zweites nur tote Materie. Die meisten Forscher deuten die Ergebnisse des ersten Experiments deshalb als Folge nichtbiologischer chemischer Reaktionen im Marsboden. Die europäische Sonde ExoMars, deren Start für 2013 geplant ist, soll einen neuen Versuch unternehmen, Leben auf dem roten Planeten nach-zuweisen.

Leben unter Eispanzern

Eine von zahlreichen Spalten durchzogene Oberfläche ist zu sehen. Sie scheint aus vielen Schollen zu bestehen, die auseinander gebrochen und dann wieder eingefroren sind.
Eispanzer des Jupitermonds Europa

Aber auch weiter entfernt von der Sonne könnte es theoretisch Leben geben. Mehrere Monde der Planeten Jupiter und Saturn besitzen unter ihren Eispanzern viele Kilometer tiefe Wasserozeane. Auch auf der Erde gibt es Lebensformen, die unter extremen Bedingungen ohne Sonnenlicht existieren, zum Beispiel in der Umgebung hydrothermaler Quellen in der Tiefsee.

Die Entdeckung von Bakterien auf anderen Planeten oder Monden würde allerdings kaum die Sehnsucht der Menschen nach „Partnern“ im All stillen. Ob die Weiterentwicklung zu komplexen oder gar intelligenten Lebens-formen ähnlich zwangsläufig ist wie die Entstehung einzelligen Lebens, ist unter den Wissenschaftlern heftig umstritten. Denn auf der Erde ließ diese Entwicklung lange auf sich warten: Drei Milliarden Jahre lang war unser Planet allein von Bakterien bevölkert. Die Entstehung komplexen Lebens könnte also ein seltenes, von vielen Zufällen abhängiges Ereignis sein – und dann wäre auch die Erde ein seltener Sonderfall und die Menschheit vielleicht doch die einzige intelligente Spezies in der Milchstraße.

SETI – die Suche nach extraterrestrischen Intelligenzen

Im September 1959 veröffentlichten die Physiker Giuseppe Cocconi und Philip Morrison in der Fachzeitschrift „Nature“ einen Artikel mit der provozierenden Überschrift „Auf der Suche nach interstellarer Kommunikation“. Cocconi und Morrison argumentierten, dass es möglich sein sollte, mit Radioteleskopen Sendungen fremder Intelligenzen über viele Tausend Lichtjahre hinweg zu empfangen.

Der junge Radioastronom Frank Drake nahm die Vorschläge ernst. Im April 1960 startete er sein „Projekt Ozma“, die erste gezielte Suche nach außerirdischen Signalen. Über hundert SETI-Vorhaben wurden seither weltweit durchgeführt. Während Drake nur bei einer einzigen Wellenlänge auf Empfang gehen konnte, suchen die heutigen Empfänger den Himmel in Millionen oder gar Milliarden Frequenzbändern ab. Computer fahnden in den gewaltigen Datenmengen automatisch nach schmalbandigen Signalen und eliminieren alle Störungen irdischer Herkunft.

Seit 1999 können im Rahmen des Projekts SETI@home („SETI zu Hause“) auch interessierte Laien auf die Suche nach außerirdischen Signalen gehen. Die Teilnehmer installieren auf ihrem Rechner ein Programm, das wie ein Bildschirmschoner stets startet, wenn der PC gerade nicht benutzt wird. Das Programm lädt Beobachtungsdaten der SETI-Forscher aus dem Internet herunter, analysiert sie häppchenweise und schickt die Ergebnisse zurück an die Zentrale von SETI@home. Über fünf Millionen Teilnehmer haben sich bislang an dem Projekt beteiligt - bisher allerdings ohne Erfolg.

Was ist Leben?

Wenn wir nach fremden Lebensformen auf anderen Welten suchen, müssen wir zunächst einmal wissen, was Leben überhaupt ist. Doch Leben zu definieren, ist alles andere als eine einfach. Wie lassen sich Phänomene zusammenfassend beschreiben, von denen nur ein einziges Beispiel – das Leben auf der Erde – bekannt ist? „Selbst wenn wir eine gute Definition finden, die für alles Leben auf der Erde funktioniert, würden wir doch nicht wissen, ob sie auch auf Leben auf einem anderen Planeten zutrifft“, beschreibt der Astrophysiker David Grinspoon das Dilemma.

Die meisten Wissenschaftler sind sich gleichwohl einig, dass ein „System“ eine Reihe von Kriterien er-füllen muss, um als lebendig zu gelten. Da ist zunächst einmal die Nahrungsaufnahme: Lebewesen benötigen eine ständige Zufuhr von Energie, um ihre Existenz aufrecht zu erhalten. Dann pflanzen Lebewesen sich fort – und dabei können sie sich durch Veränderungen in ihrem Erbgut weiter entwickeln. Denn ohne Evolution kann Leben letztlich weder entstehen, noch sich an veränderte Umweltbedingungen anpassen. Und schließlich reagieren Lebewesen auf äußere Reize.

Unumstritten sind jedoch selbst diese scheinbar so simplen Kriterien nicht. Die amerikanische Philosophin Carol Cleland hält den Versuch, Leben zu definieren, deshalb für grundsätzlich falsch: „Eine solche Definition blendet uns, macht es uns unmöglich, seltsame Lebensformen überhaupt zu erkennen, wenn wir ihnen begegnen.“ Ihrer Meinung nach sollten wir die Augen offen halten für das Seltsame, das Anomale, das Komplexe. Denn darunter könnten Lebensformen verborgen sein, die jenseits unserer Vorstellungskraft liegen.