Ist Grillen mit Holzkohle wirklich klimafreundlich?

Irgendwann im Mai fängt es an: Die von den Sonnenstrahlen erwärmte Luft bringt einen zum ersten Mal im Jahr richtig zum Schwitzen, das Tageslicht scheint gar nicht mehr verschwinden zu wollen und die Nächte sind lau und laden zum Verweilen im Freien ein. Dann beginnt sie – die Grillsaison. Ganze Horden von Großfamilien und Freundescliquen bevölkern von mittags an bis spät in die Nacht die Parks und Grünflächen der Städte. Im Zentrum der Grüppchen finden sich Grills jedes nur erdenklichen Typs: Von kleinen Einweg- bis hin zu Hochleistungsgeräten ist jedes nur erdenkliche Modell zu finden, und ohne Unterlass brutzeln hierauf die Schweinesteaks, Tofu-Würstchen oder Gemüsespieße. Riesige Dunstglocken hängen über den Menschenansammlungen.

Ein Feuer lodert auf einem Holzkohlegrill, im Hintergrund sind verschwommen Menschen zu sehen.
Grillen im Görlitzer Park in Berlin

Kann das klimafreundlich sein?

Sicher nicht! Aber die meisten der Parkgänger grillen mit Holzkohle und diese sei „CO2-neutral“, so heißt es. Als Energieträgerin aus Biomasse nehme Holzkohle noch aktiv am Kohlenstoffkreislauf teil. Durch ihre Verbrennung entstehe somit kein zusätzliches CO2, da der natürliche Verwesungs- und Zersetzungsvorgang lediglich technisch beschleunigt und ohne Zwischenproduktion von CH4 durchgeführt werde – im Gegensatz zu den im Privatgebrauch seltener verwendeten Grill-Systemen mit Flüssiggas (LPG), das zumeist aus Gemischen von Propan und Butan besteht. Diese sollen das Klima erheblich mehr belasten, da sie als Nebenprodukte der Erdölraffinierung fossiler Brennstoffe entstehen und somit zur mittel- und langfristigen Erhöhung des CO2-Gehaltes der Atmosphäre beitragen. Dies würde man zumindest vermuten.

Es gibt nun allerdings neueste Forschungsergebnisse, die das Gegenteil besagen. Eric Johnson legt in der Zeitschrift Impact Assessment dar, warum das Grillen mit Holzkohle sehr viel klimaschädlicher als das Grillen mit Flüssiggas sei. Laut Johnson ist die CO2-Emission von ersterem etwa dreimal höher als bei letzterem. Dies führt der Wissenschaftler der Schweizer Agentur Atlantic Consulting darauf zurück, dass Flüssiggas als Brennstoff erheblich effizienter in seiner Produktion und Verbrennung ist.

Fossile vs. erneuerbare Energien innerhalb des Kohlenstoffkreislaufs

Fossile Brennstoffe sind ebenfalls Biomasse, nur ist diese uralt. In ihr ist über Jahrmillionen gesammelte Sonnenenergie chemisch gespeichert. In Propan, das als Nebenprodukt bei der Förderung von Erdgas gewonnen oder beim Cracken von Erdöl hergestellt wird, steckt diese Energie in der chemischen Bindung zwischen Kohlenstoff und Wasserstoffatomen. Wenn es mit Sauerstoff verbrennt, wird Energie frei, da die Speicherenergie in der ursprünglichen Verbindung höher als in den Verbrennungsprodukten, Kohlendioxid und Wasser, ist. Die Verbrennung verwandelt die chemische Energie in Wärme, die direkt zum Grillen nutzbar ist. Der Preis dafür ist die Anreicherung der Atmosphäre mit dem Treibhausgas Kohlendioxid.

Brennholz und Holzkohle geben bei ihrer Verbrennung ebenfalls CO2 frei – allerdings nur so viel wie sie durch das Wachstum der Pflanzen der Atmosphäre in unmittelbarer Vergangenheit entzogen haben. Da dieser Prozess nicht, wie bei fossilen Brennstoffen, Jahrmillionen zurückliegt, wird diese traditionelle Biomasse zu den erneuerbaren Energien gezählt und als „CO2-neutral“, also aktiv am Kohlenstoffkreislauf teilnehmend, deklariert. Das ist aber nur korrekt, wenn die Menschen nicht mehr verbrauchen als nachwächst. Und das ist gerade in den Entwicklungsländern, die als Hauptlieferanten von Holzkohle für Europa fungieren, nicht der Fall. 2008 soll nach Angaben von Johnson etwa 80 Prozent der in Großbritannien verfeuerten Holzkohle aus Entwicklungsländern importiert worden sein. 70 Prozent der Holzkohle stammte allein aus Südafrika, Argentinien, Namibia und Nigeria. Laut der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen sind gerade die Waldbestände der letzten drei Länder hochgradig gefährdet.

Fußabdrücke und klimafreundliche Effizienz

Flammen schlagen aus einem Holzkohlegrill.
Entflammter Holzkohlegrill

Als Hauptargument für die höhere Klimabelastung durch das Verwenden von Holzkohle beim Grillen führt der Wissenschaftler Johnson das Effizienz-Defizit dieses Brennstoffs gegenüber Flüssiggas an. Holzkohle wird durch das Erhitzen von Holz in Brennöfen produziert. Das luftgetrocknete Holz wird hierbei unter Luftabschluss oder ohne Sauerstoffzufuhr auf 275 Grad erhitzt. Allerdings ist dieser Vorgang nicht sehr effektiv: Die Ergiebigkeit von kommerzieller Holzkohle liegt bei etwa 20 bis 35 Prozent. Das bedeutet, dass der Rest des Holzes in Gas umgewandelt und in die Atmosphäre abgegeben wird. Im Gegensatz hierzu ist die Ergiebigkeit von Flüssiggas weit größer. Gemische, die hauptsächlich aus Propan und Butan bestehen, werden durch Kühlung und Kompression verflüssigt und unter einem ständigem Druck von weniger als Acht Bar flüssig gehalten. Die Ausbeute dieses Verfahrens ist höher als 90 Prozent. Darüber hinaus haben Gas-Grills in der Regel eine Leistungsanzeige und sind schnell und einfach an und aus zu stellen. Bei Holzkohle-Grills hingegen ist eine effektive Regulierung des Brennstoff-Verbrauches nicht möglich.

Basierend auf dem System des so genannten „CO2-Fußabdrucks“, also der summierten Emission von Treibhausgasen eines Produkts in Hinblick auf dessen Auswirkungen auf das Klima, hat Johnson in seiner Studie nun für eine bestimmte Ausgangssituation die „Fußabdrücke“ jeweils für das Grillen mit Holzkohle und für das Grillen mit Flüssiggas errechnet. Hierbei kommt er auf einen etwa dreimal so hohen Wert für die Treibhausgas-Emission von Holzkohle gegenüber der von Flüssiggas. Dies würde bedeuten, dass unter Einbeziehung aller durch diesen Vorgang verursachten Emissionen von CO2 und anderer Treibhausgase, das Grillen mit Holzkohle erheblich klimaschädlicher ist, als das Grillen mit Flüssiggas.

Vom romantischen Holzkohle-Grill zur professionelleren Variante: dem Gas-Grill

Ein Lachs wird auf einem Gasgrill gewendet.
Professionelles Gasgrillen

Sollten die Ergebnisse dieser Studien sich bewahrheiten, wäre ein weltweites Umdenken angebracht: Die Europäer müssten ihre Routinen bezüglich einer ihrer Lieblingsfreizeit-Aktivitäten im Frühling überdenken – und vielleicht von den eher rustikal anmutenden Holzkohle-Grills auf die technisiertere Variante des Gas-Grillens umsteigen. Als privater Vorteil würde das stundenlange Warten auf Nahrungsaufnahme bedingt durch Schwierigkeiten beim Anzünden wegfallen; von der für den Hobby-Griller schlicht unkontrollierbaren Rauchentwicklung gar nicht zu reden. Einen Effekt auf das Klima hätte eine Änderung im Grill-Verhalten sicherlich auch, denn allein in Großbritannien werden die Grills über 60 Millionen mal im Jahr angezündet. Dabei werden Tausende von Tonnen Brennstoff verbraucht – in milderen Klimaregionen sogar noch mehr. Auch bei den Geräten zum regulären Kochen bestände gemäß der Studie in Entwicklungsregionen Bedarf zur Umrüstung, schließlich ist hier Holzkohle immer noch der am häufigsten zum Kochen verwendete Brennstoff.

Die Sonne als Energiequelle

Die Sonne als Energiequelle

In der Sonne wird der aus einem Proton bestehende Atomkern 1H von Wasserstoff in Helium umgewandelt. Bei diesem Vorgang werden 2 Protonen miteinander verschmolzen, wobei eines zum Neutron umgewandelt wird. Durch Verschmelzung mit einem weiteren Neutron entsteht schließlich Helium. Bei jeder Fusion müssen die abstoßenden Kräfte der Atomkerne überwunden werden. Pro Sekunde werden im Innersten der Sonne 564 Millionen Tonnen Wasserstoff zu 560 Millionen Tonnen Helium verarbeitet. Die Massen-Diskrepanz von 4 Millionen Tonnen wird in für uns lebenswichtige Sonnenenergie umgewandelt. Hier findet sich die in Einsteins wohl berühmtester Formel \(E = mc^2\) ausgedrückte Äquivalenz von Energie und Masse. Die neu entstandene Energie braucht einige hunderttausend Jahre um vom Kern der Sonne zu ihrem Rand zu gelangen; von dort geht dann alles ganz schnell: innerhalb von etwa achteinhalb Minuten gelangt die Sonnenenergie in Form von Licht zu uns auf die Erde. Die Distanz beträgt ca. 150 Millionen Kilometer. Rechnet man mit der Lichtgeschwindigkeit c im Vakuum von etwa 300.000 Kilometer pro Sekunde, kommt man mit ein wenig Aufrunden auf das vorige Ergebnis. Wer es nicht glaubt, kann gerne nachrechnen!