Raffinerien und Pipelines

Raffinerien

Eine Raffinerie ist eine Industrieanlage, in der das Rohöl, das aus dem Bohrloch kommt, zu höherwertigen Mineralölprodukten verarbeitet wird. Im Jahr 2013 waren in Deutschland 13 Anlagen im Betrieb mit einer Gesamtproduktionskapazität von etwas mehr als 102,6 Millionen Tonnen pro Jahr.

Das heute in so großem Maße genutzte Erdöl ist das Produkt eines sehr langen erdgeschichtlichen Prozesses. Vor etwa 150 Millionen Jahren lagerte sich organisches Material, zum Beispiel Algen, Schicht für Schicht auf dem Grund von Meeren und Seen in Tiefen von mehr als 200 Metern ab. Wegen des dort herrschenden Sauerstoffmangels konnte es jedoch nicht verwesen und wurde von Sedimenten überlagert. Weil der Druck sich mit jeder neuen Sedimentschicht erhöht, verfestigte sich das organische Material zu so genanntem Muttergestein, aus dem Erdöl entstehen kann. Dazu müssen allerdings besondere Bedingungen gegeben sein: Temperaturen von 80 bis 150 Grad Celsius und Drücke, wie sie in einer Tiefe von 1500 bis 3000 Metern auftreten.

Grafik, Deutschlandkarte: Die insgesamt 11 Raffinerienstandorte in Deutschland sind mit orangefarbenen Punkten gekennzeichnet, dazwischen verlaufen in gelb die Pipelines zum Rohöltransport.
Raffinerien in Deutschland

Das Öl ist fließfähig und wird durch den hohen Druck in poröse Gesteinsschichten gepresst. Da es ein geringeres spezifisches Gewicht als das umgebende Wasser hat, kann es in den Porenräumen ganz langsam nach oben steigen. Es steigt so lange, bis es in einer Schicht aus undurchlässigem Material wie Ton oder Salz in so genannten Fallen aufgefangen wird. Dort sammelt es sich an und bildet schließlich eine Erdöllagerstätte, die man sich vorstellen kann wie einen riesigen Schwamm aus porösem Gestein, der mit Erdöl voll gesogen ist.

Im Jahr 2015 hatte Deutschland nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen einen Ölverbrauch beim Primärenergiebedarf von rund 108 Millionen Tonnen. Das entsprach einem Energieinhalt von 4511 Petajoule oder 34 Prozent unserer Versorgung mit Primärenergie.

Deutschland ist im hohen Maße von Ölimporten abhängig, denn nur knapp drei Prozent des Erdöls, das heißt 2,4 Millionen Tonnen, stammten 2014 aus der heimischen Förderung. Die Hauptlieferländer in diesem Jahr waren nach Angaben der BGR Russland (34 Prozent), Norwegen (17 Prozent), Großbritannien (elf Prozent), Nigeria (acht Prozent) und Kasachstan (acht Prozent). Deutschland stand mit 89,4 Millionen Tonnen auf Platz 6 der weltweiten Liste von Erdölimportländern, die von den USA, China, Indien und Japan angeführt wurde.

Global gesehen waren im Jahr 2014 nach Angaben der BGR die größten globalen Lieferländer Saudi Arabien, Russland, Kanada, Irak und die Vereinigten Arabischen Emirate. Insgesamt bezog Deutschland nach Angaben der BGR im Jahr 2014 Rohöl aus 38 Ländern und verfügte damit über eine breit differenzierte Lieferbasis.

Hätte man die gesamte Importmenge von 89,4 Millionen Tonnen statt zum großen Teil über Pipelines nur über den Seeweg transportiert, wären dazu mehr als 200 Supertanker mit einem Fassungsvermögen von zum Beispiel maximal 450.000 Tonnen nötig gewesen.