Auch Twitter-Nutzer haben höchstens 200 enge Freunde

Forscher kategorisierten über 300 Millionen Tweets - Die Pflege von mehr Bekanntschaften würde zeitliche und geistige Ressourcen übersteigen

Bloomington (USA) - Soziale Netze wie der Mikroblogging-Dienst Twitter machen es möglich, mit anderen Nutzern auf der ganzen Welt in Kontakt zu treten. Doch die Zahl der intensiven, regelmäßigen Verbindungen ist offenbar auf 100 bis 200 begrenzt, genauso wie die Anzahl möglicher Bekanntschaften im realen Leben. Zu diesem Schluss kamen Forscher, die Konversationen von drei Millionen Twitter-Nutzern in einem Zeitraum von vier Jahren analysierten. Ihr Rechenmodell bestätigt die Annahme, dass sowohl die zeitlichen Ressourcen als auch die Aufnahmefähigkeit unseres Gehirns bestimmen, wie viele Kontakte wir pflegen können.

Die Gruppe der University of Indiana in den USA verfolgte insgesamt über 300 Millionen Tweets, also Kurznachrichten, mit denen sich die Nutzer untereinander austauschten. Längere Konversationen gewichteten sie in ihrem Modell stärker als gelegentliche Antworten. Damit filterten sie heraus, mit wie vielen Menschen aus seiner Kontaktliste ein Nutzer tatsächlich intensiv kommuniziert. Erfahrungsgemäß steigt die Anzahl der Kontakte und Tweets bei neu angemeldeten Nutzern zunächst deutlich an, die Forscher wollten nun herausfinden, ob nach einer gewissen Zeit ein Maximum erreicht ist.

Tatsächlich ermittelten sie eine begrenzte Zahl von engeren Kontakten, die in etwa mit der Dunbar Zahl übereinstimmt. Diese geht auf den britischen Anthropologen Robert Dunbar zurück, der damit angab, wie viele soziale Kontakte eine Person unterhalten kann. Laut Dunbar würde ein Umfeld mit deutlich mehr als 150 Mitgliedern die Kapazität unseres Neocortex übersteigen, einem Teil des Gehirns, der für Aufmerksamkeit und Sprache verantwortlich ist.