CERN-Wissenschaftler unter Terrorismusverdacht festgenommen

Ein 32jähriger algerischstämmiger Forscher wurde bereits am 8. Oktober in Vienne (Frankreich) festgenommen. Ihm wird zur Last gelegt, Kontakt zu einer kriminellen terrorischen Vereinigung zu haben.

Genf (Schweiz)/Vienne (Frankreich)/Paris (Frankreich) - Schon am 8. Oktober nahm die französische Polizei einen 32jährigen Physiker und seinen Bruder (25) fest, der ebenfalls Wissenschaftler ist. Dem älteren Bruder wird nach Berichten verschiedener Online-Medien zur Last gelegt, seit 2007 Mitglied des Terrornetzwerks Al Quaida zu sein.

Die französische Polizei beobachte den Verdächtigen schon seit 18 Monaten, nachdem E-Mail-Kontakte zu Terroristen abgefangen worden sein. Der Zugriff in der vergangenen Woche erfolgte, bevor die Brüder in Richtung Genf zum CERN abreisen wollten. Der jüngere Bruder wurde schon am Samstag wieder frei gelassen.

Nach Zeitungsmeldungen gab es bislang nur vage Andeutungen, dass der Wissenschaftler bereit gewesen sei, einen Anschlag zu verüben. Zu konkreten Vorbereitungen sei es dazu aber noch nicht gekommen.

Nach einer Meldung der Berner Zeitung ist der festgenommene Forscher ein erfolgreicher und kultivierter französischer Akademiker. James Gillies, Sprecher des CERN, wird damit zitiert, dass der Physiker hochintelligent aber auch reserviert sei. Er habe am CERN nicht an Forschungen gearbeitet, die sich für terroristische Zwecke nutzen ließen. Der junge Akademiker ist seit 2003 externer Mitarbeiter für das Kernforschungsinstitut. In der LHCb-Kollaboration war er unter anderem an der Magnetfeldkonfiguration des Detektors beteiligt. Am CERN wird derzeit der größte Teilchenbeschleuniger der Welt, der LHC, in Betrieb genommen. Als neuer Starttermin für dieses Großexperiment ist November 2009 in der Planung.

Zeitungsberichte, nach denen möglicherweise terroristisches Interesse an Nuklearforschung die Motivation des Mannes darstellen könnte, erscheinen wenig an der Realität orientiert. Die Grundlagenforschung, die am CERN betrieben wird, beinhaltet keine praktische Anwendung von Nuklearreaktoren, waffenfähigem Material oder Arbeiten zur Gewinnung solcher Kenntnisse. Entsprechend äußerte sich auch das CERN in einer Stellungnahme zu diesem Vorfall.