Startschuss für neuen Beschleuniger FAIR

Über 2000 Menschen feiern gemeinsam mit Forschungsministerin Schavan und Ministerpräsident Koch den Startschuss von FAIR

Darmstadt - Der Weg zum Bau einer der weltweit größten Beschleunigeranlagen in Deutschland ist frei. Hochrangige Vertreter aus den beteiligten Staaten haben sich am Mittwoch auf Einladung von Bundesforschungsministerin Annette Schavan und Hessens Ministerpräsident Roland Koch in Darmstadt getroffen, um den Projektstart der Beschleunigeranlage FAIR bekannt zu geben. Mehr als 3000 Wissenschaftler aus aller Welt werden in wenigen Jahren die Experimente im Forschungszentrum FAIR (Facility for Antiproton and Ion Research) nutzen können. FAIR baut auf den bestehenden Beschleunigeranlagen der Gesellschaft für Schwerionenforschung (GSI) auf. Während einer Festveranstaltung an der GSI unterzeichneten die Partner des einzigartigen Forschungsvorhabens ein Kommuniqué über Bau und Betrieb des Beschleunigerzentrums FAIR. Alle Beteiligten haben sich darin über die Finanzierung der Startphase verständigt, die 940 Millionen Euro kosten wird. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) trägt davon 65 Prozent, das Land Hessen zehn und die 14 internationalen Partner zusammen 25 Prozent. Die Investitionskosten der Endausbaustufe betragen insgesamt rund 1,2 Milliarden Euro.

"FAIR ist ein exzellentes Beispiel für eine gelungene internationale Zusammenarbeit im Bereich der Grundlagenforschung", sagte Ministerin Schavan in Darmstadt. "Das Projekt macht den Standort Deutschland für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus aller Welt noch attraktiver." Eine bislang noch nicht erreichte Vielfalt an Experimenten wird nach den Worten der Ministerin am Standort Darmstadt möglich sein. Gemeinsam mit Ministerpräsident Koch betonte Schavan: "Darmstadt wird auf diese Weise zu einem starken Magneten für hervorragende Wissenschaft. Spitzengeräte locken auch Spitzenforscher an."

"Wir sind stolz und glücklich, dass wir heute mit Hilfe des Bundes und internationalen Partnerländern in Hessen ein Grundlagenforschungszentrum von solch herausragender globaler Bedeutung errichten können", sagte Ministerpräsident Koch. "Durch das Forschungszentrum FAIR wird die GSI zu einem weltweit wichtigen Partner in der Spitzentechnologie." Koch drückte seine Überzeugung darüber aus, dass der Forschungsstandort Hessen dadurch insbesondere in der Physik weiter gestärkt werde.

Nach dem feierlichen Projektstart sind nun die Unterzeichnung eines völkerrechtlichen Übereinkommens und die Gründung der FAIR GmbH die nächsten Schritte. In acht Jahren soll das neue Forschungszentrum betriebsbereit sein. Dann werden völlig neuartige Experimente möglich. Physiker erhoffen sich bislang unbekannte Einblicke in die Struktur der Materie und die Entstehung des Universums. Die vielfältigen Forschungsmöglichkeiten haben dazu geführt, dass sich schon heute mehr als 300 wissenschaftliche Institute und Universitäten aus 47 Ländern an der Planung der Experimente für FAIR beteiligen. Auch die Europäische Union hat die Entwicklung des Konzeptes finanziell unterstützt.

Das Herzstück von FAIR ist ein unterirdisch verlaufender supraleitender Doppelringbeschleuniger mit einem Umfang von 1100 Metern. An diesen schließt sich ein komplexes System von Speicherringen und Experimentierstationen an. In der Anlage können Ionen- und Antiprotonenstrahlen bisher unerreichter Intensität und Qualität erzeugt werden. So können die Forscher beispielsweise mehrere Experimente in parallel laufenden Programmen in den Bereichen Kern-, Atom und Plasmaphysik machen, was vor allem Kosten senkt. FAIR wird gemeinsam von den Partnerländern gebaut, da Projekte in dieser Größenordnung nur mit starken internationalen Partnern möglich sind.

Das Konzept beruht auf Planungen der Gesellschaft für Schwerionenforschung, die zusammen mit einigen Hundert wissenschaftlichen Instituten und Universitäten aus aller Welt das neue Zentrum entwickelt hat. Die GSI ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren und wird zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent vom Land Hessen gefördert.