Abkommen über ein deutsches Doktorandenprogramm am CERN

Staatssekretär Meyer-Krahmer: "Mehr deutsche Wissenschaftler an europäischer Nobelpreisschmiede"

Berlin - Die Europäische Organisation für Kernforschung (CERN) in Genf ist das größte und bedeutendste Forschungszentrum für Teilchenphysik weltweit. Mit 20 Mitgliedstaaten hat sich CERN seit der Gründung 1954 zu einem herausragenden Vorbild europäischer Zusammenarbeit in der physikalischen Grundlagenforschung an Großgeräten entwickelt. Der Etat von rund 650 Millionen Euro (2007) wird von Deutschland zu rund 20 Prozent finanziert.

Der weltweit leistungsstärkste Teilchenbeschleuniger, der Large Hadron Collider (LHC), soll im Sommer nächsten Jahres mit ersten Experimenten starten. "Für Deutschland als größtem Beitragszahler unter den Mitgliedstaaten ist die Beteiligung an CERN ein wesentlicher Eckpfeiler der deutschen Wissenschaftspolitik. Wir möchten, dass mehr deutsche Nachwuchswissenschaftler von der Spitzenforschung am weltweit größten Teilchenbeschleuniger profitieren", erklärte Frieder Meyer-Krahmer, Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).

Zusammen mit dem Generaldirektor des CERN, Robert Aymar, unterzeichnete er am Montag in Berlin das Abkommen über ein deutsches Doktorandenprogramm am CERN. "Wir ermöglichen jungen, qualifizierten Wissenschaftlern die Arbeit in einem international erstklassigen Hochtechnologie-Umfeld mit engen Kontakten zur Industrie. Damit gewinnen sie eine ausgezeichnete Ausgangsposition für eine spätere berufliche Tätigkeit nicht nur beim Betrieb wissenschaftlicher Großgeräte", so Meyer-Krahmer. Das vom BMBF geförderte Wolfgang-Gentner-Stipendien Programm, das nach dem Kernphysiker Wolfgang Gentner (1906-1980) benannt ist, richtet sich an Doktoranden der angewandten Physik und Technologie. Sie können für einen Forschungsaufenthalt von maximal drei Jahren beim CERN zur Erarbeitung der Dissertation ein Stipendium erhalten.

Am CERN arbeiten rund 2600 Mitarbeiter, und mehr als 8300 Gastwissenschaftler aus rund 60 Staaten besuchen die Forschungsstätte, um gemeinsam zu ergründen, aus welchen elementaren Bausteinen die Materie besteht und welche Kräfte sie zusammenhalten. Generaldirektor Aymar unterstrich die hohe Bedeutung der internationalen Zusammenarbeit am CERN. So haben mehr als 10.000 Wissenschaftler und Ingenieure zum Bau des Large Hadron Collider (LHC) beigetragen. Der weltweit leistungsstärkste Teilchenbeschleuniger, ein 27 Kilometer langer Ring, und seine vier Experimentier-Anlagen (ALICE, ATLAS, CMS, LHCb), die größten, die je von der Menschheit gebaut wurden, sollen im Frühjahr 2008 fertig gestellt werden.

Erste Teilchen-Kollisionen sollen im Juli 2008 durchgeführt werden. Dann wird im Tunnel des LHC in einer Tiefe von 50 bis 150 Metern der Urknall simuliert. Dazu werden auf zwei gegenläufigen Strahlen Teilchen mit nahezu Lichtgeschwindigkeit frontal aufeinander geschossen. Bei den Zusammenstößen der Strahlen an den vier Experimenten entstehen aus dem Hagel der Kollisionsbruchstücke neue Teilchen, die der Forschung wichtige Erkenntnisse (z.B. zum Higgs Boson) liefern können. "Für junge experimentelle Physiker und Ingenieure dürfte CERN daher nicht nur - wie eh und je - als europäische Nobelpreisschmiede attraktiv sein, sondern gerade in nächster Zeit enormes und spannendes Forschungspotential durch den LHC bieten" so der Generaldirektor des CERN. "Deutsche Wissenschaftler haben einen wichtigen Beitrag zum Bau des Large Hadron Colliders geleistet und werden ihn künftig auch intensiv nutzen", sagte Meyer-Krahmer.